Schwere Verbrennungen bei Kindern sind häufig und potentiell lebensgefährlich. Diese Unfälle sind komplex und führen nicht nur zur Zerstörung der Haut, sondern auch zu schwerwiegenden Veränderungen fast aller Organsysteme. Entsprechend aufwendig und vielschichtig ist demnach die Behandlung, die idealerweise nur von einem hochspezialisierten Team an einem für Kinder spezifisch eingerichteten Zentrum mit geeigneter Infrastruktur geleistet werden kann. Mit dem Ziel, die Behandlung schwer verbrannter Kinder europaweit zu standardisieren und zu optimieren als auch die Einrichtung von spezifisch für Kinder eingerichteten Verbrennungszentren in Europa zu fördern, wurde 1991 der "European Club for Pediatric Burns" auf Initiative des Zentrums für brandverletzte Kinder des Universitätskinderspitals Zürich gegründet.
Nach jährlichen Workshops in verschiedenen Ländern hielt der Club seinen ersten internationalen Kongress vom 16. - 18.10.96 am Universitätskinderspital Zürich statt. Mehr als 300 Teilnehmer aus aller Welt trafen sich, um über den modernsten Stand der Verbrennungschirurgie, der Narkoseführung und Schmerzbekämpfung und die enorme Wichtigkeit der grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Forschung zu diskutieren. Neben den wissenschaftlichen Sitzungen fand auch ein Rehabilitationsworkshop statt, bei dem vor allem die praktische physiotherapeutische und ergotherapeutische Arbeit mit Patienten im Vordergrund stand.
Der Kongress zeigte klar auf, welche medizinischen Behandlungsstrategien das moderne Management schwer verbrannter Kinder bestimmen. Es ist dies in erster Linie die frühzeitige, chirurgische Versorgung, d.h. die Entfernung der nicht heilungsfähigen Haut und die gleichzeitige Deckung dieser Defekte mit Eigenhauttransplantaten. Da bei schwerst verbrannten Patienten nicht genügend gesunde Eigenhaut zur sofortigen Transplantation zur Verfügung steht, müssen die grossen Defekte mit Fremdhauttransplantaten oder industriell hergestellten Hautersatzpräparaten zwischengedeckt werden.
Eine neue, erst seit wenigen Jahren verfügbare Option stellt die im Labor gezüchtete "Haut" dar (patienteneigene kultivierte Keratinozyten). Obwohl diese Methode heute bei schwerst verbrannten Patienten lebensrettend sein kann und auch schon erfolgreich zur Korrektur grossflächiger, verbrennungsbedingter Narben eingesetzt worden ist, sind auf diesem Gebiet noch viele Probleme offen. Namentlich ist die Verpflanzung von gezüchteter ãHautÒ aufwendig, teuer und oft nur mit einer ungenügenden definitiven Anwachsrate verbunden. Trotzdem stellt diese Technik einen der bedeutendsten Fortschritte in der chirurgischen Versorgung schwerer Verbrennungen dar und es steht ausser Zweifel, dass die weltweit laufenden Forschungsanstrengungen dieser Behandlung in den nächsten Jahren zum entscheidenden Durchbruch verhelfen. Ein weiterer Diskussionspunkt betraf die Logistik in der Behandlung schwer verbrannter Kinder. Die Expertenmeinung geht eindeutig dahin, dass schwer verbrannte Kinder idealerweise in spezifisch eingerichteten Zentren behandelt werden sollen, weil nur so den vielschichtigen medizinischen, rehabilitativen und psychosozialen Bedürfnissen dieser schwer verletzten Patienten gleichzeitig und kontinuierlich entsprochen werden kann. Die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür sind klar: Es braucht ein aus den entsprechenden Fachkräften zusammengesetztes Team und die notwendigen Räumlichkeiten in einem Spital mit Zentrumsfunktion. Der Einrichtung weiterer europäischer Zentren für die Behandlung schwer brandverletzter Kinder kommt demnach eine hohe Priorität zu.