A) Einleitung
1. Intraperitoneale Läsion ohne Sphinkterverletzung
2. Intraperitoneale Läsion mit Sphinkterverletzung
3. Extraperitoneale Läsion ohne Sphinkterverletzung
4. Extraperitoneale Läsion mit Sphinkterverletzung
B) Allgemeine Therapieprinzipien
1. Spülung des Rektums zur Dekontamination
2. Reparatur von Sphinkterläsionen per primam
3. Laparotomie bei intraperitonealen Verletzungen
4. Kolostomie bei jeder grösseren intraperitonealen Verletzung
sowie bei Verletzung und Zerreissung des Perineums mit
oder ohne assoziierte Beckenfraktur.
C) Spezielle Therapierichtlinien
Behandlung intraperitonealer Perforationen:
Behandlung extraperitonealer Perforationen:
Präoperativ Beginn mit Breitspektrumantibiotika. Das Rektum muss
in jedem Fall ausgiebig gespült werden und es muss eine Drainage eingelegt
werden, die durch den Anus herausgeleitet wird. Kleinere Läsionen
können nach der Rektoskopie der PS-Heilung überlassen werden.
Infraperitoneale Läsionen, die nicht bis in den ischio-rektalen
Raum reichen, können transanal vernäht werden. Eine Kolostomie
ist primär nicht notwendig. Sollten sich im postoperativen Verlauf
Zeichen einer Infektion oder eines Hämatoms im kleinen Becken zeigen,
ist unverzüglich eine Laparotomie vorzunehmen und eine getrennte (ìdismemberedî)
Kolostomie anzulegen. Falls nach konservativem Vorgehen Zeichen eines Infektes
auftreten, muss eine Laparotomie vorgenommen werden. Das Rektum muss dabei
vollständig mobilisiert und die Läsion chirurgisch versorgt werden.
anschliessend soll eine getrennte Kolostomie angelegt werden, damit das
Rektum regelmässig gespült werden kann.
Vorgehen bei Beckenfrakturen mit Verletzung des Rektums:
Die Rektumläsion sollte falls möglich von endoluminal her
versorgt werden. Zudem ist eine terminale linksseitige Kolostomie anzulegen
(dies entspricht einem Kompromiss, da eine Mobilisation des Rektums das
Risiko einer massiven Blutung beinhaltet). Die Spülung des Rektums
sollte vorzugsweise endoskopisch erfolgen. In jedem Fall sollte eine Sphinkterverletzung
nach der oben beschriebenen Technik versorgt werden.
Vorgehen bei sekundär festgestellten Sphinkterläsionen:
Gelegentlich wird eine Sphinkterläsion primär übersehen.
Bei Vorliegen einer Kolostomie muss vor der Rückverlegung eine Evaluation
der Sphinkterfunktion erfolgen. Der Sphinktertonus kann digital abgeschätzt
werden und eine Endomanometrie kann das Vorhandensein eines Sphinktertonus
bestätigen. Die Untersuchung der Wahl ist eine Endosonographie, welche
die Läsion lokalisiert und das chirurgische Vorgehen leiten kann.
Die chirurgische Korrektur wird durch eine bogenförmige Incision im
Bereiche des Defektes vorgenommen oder unter Benutzung der vorbestehenden
Narbe. Anoderm und anale Mukosa werden anschliessend von der Narbe abgelöst.
Der Sphinkter muss grosszügig freipräpariert werden. Die Mobilisierung
des Sphinkterapparates wird en bloc vorgenommen, ohne zwischen Sphinkter
internus und externus zu differenzieren. Narbengewebe muss unbedingt asserviert
werden. Zur besseren Korrektur des Sphinkters sollte eine Elektrostimulation
benutzt werden. Alle Nervenfasern müssen erhalten werden. Der erste
Schritt der chirurgischen Korrektur ist eine Rekonstruktion des Analprofils,
indem das Anoderm mit resorbierbaren Donati-Einzelknopfnähten verschlossen
wird. Die Muskulatur wird mit langsam resorbierbaren Monofilnähten
gedoppelt. Die Haut wird lediglich adaptiert, um einer Infektion vorzubeugen.
Eine sekundäre Sphinkterplastik zeigt eine Erfolgschance von über
80 %. Im Falle einer assoziierten neurogenen Läsion oder bei Misserfolg
einer Sphinkterplastik sollte eine dynamische stimulierte Gracilisplastik
erwogen werden.