Kongenitale alveoläre Hypoventilation
Congenital Central Hypoventilation Syndrome (CCHS)
(Ondineâ s curse syndrome)
Historisches
| Zufällige Erstbeschreibung von Newman 1951 (bei Patienten mit Polycythemia vera) | |
| Begriffswahl "Ondineâs Curse" durch Severinghaus und Mitchel 1962 |
Germanische Legende: Die Nymphe Undine legte einen Fluch über ihren untreuen, irdischen Mann, und nahm ihm die autonome Atmungskontrolle, so dass er im Schlaf starb.
Theaterstück von Giradoux Ondine
| Erstbeschreibung in der Pädiatrie von Mellins 1970 |
Epidemiologie
1951-1998: Case Reports von etwa 100 Patienten
Ungefähre Inzidenz 1/100'000
18 familiäre Fälle sind beschrieben
Ätiologie/Pathophysiologie
| Störung der zentralen Atemregulation (genaue zentrale Lokalität noch nicht bekannt). |
| Zentrale Hypoventilation ohne neuromuskuläre oder pulmonale Erkrankung.Ê |
| Verminderte zentrale Chemorezeptorsensitivität (verminderte CO2-Antwort), d. h. gibt es eine strukturelle, funktionelle oder biochemische Läsionen am Dach des IV. Ventrikels, wo sich auch die efferenten, respiratorischen Effektoren befinden ? |
| Normale periphere Chemorezeptorsensitivität (variable O2-Antwort), d. h. eine hyperoxische Atemdepression ist möglich. |
| Chronische Hypoventilation mit oberflächlicher Atmung und progressiver Hyperkapnie und Hypoxämie. |
| Fehlender Aufwachmechanismus (arousal), fehlende Autoreanimation (Seufzer). |
| kongenital (idiopathisch) | |
| erworbene strukturelle Läsion im Hirnstamm (schwere perinatale Asphyxie, Infekte, Trauma, Tumor, Infarkt) | |
| assoziiert (Arnold Chiari II Malformation, Leigh Disease, Carnitin-Mangel, Möbius Syndrom, Pyruvat-DH-Mangel) |
| Hypoventilation in NREM III und NREM IV: milde Form | |
| Hypoventilation im NREM und REM Schlaf: mittelschwere Form | |
| Hypoventilation im Wachzustand und im Schlaf: schwere Form |
Assoziierte Veränderungen/Krankheiten/Symptome/Komplikationen
| Assoziation mit Hirschsprung Disease (Haddad Syndrom, 1978) | |
| 33 Case Reports | |
| 1.5% der HD mit CCHS | |
| 10% der totalen Aganglionose mit CCHS | |
| 50% der CCHS mit HD | |
| Neurokristopathie: Abnormität der Neuralleistenmigration ? | |
| RET Proto-Oncogen (cf. unten) |
| Augenveränderungen (abnormale Pupillenform- und Motilität, Miosis, verminderte LR, Anisokorie, Irisoberflächenanomalien, Strabismus) bei 60%. |
| Kardiale Veränderungen: Pulmonale Hypertension, Cor pulmonale, AV-Block, SSS. |
| Verminderte Herzfrequenzvariabilität: LF/HF-Variation ist bei CCHS erhöht (cf. Fig.). |
| ZNS-Mitbeteiligung:Ê | |
| Krämpfe (sekundär als Folge der Hypoxie oder primär im Rahmen des CCHS) | |
| Hypotonie, Entwicklungsretardierung, cerebrale Atrophie | |
| Hörstörung mit pathologischen AER (10%) |
| Generalisierte neurogene Schluckstörungen und Oesophagusmotilitätsstörungen. |
| Neuroblastom, Ganglioneuroblastom, gutartige Ganglioneurome, Neurofibromatose |
| 90% Manifestation am ersten postnatalen Tag. Bei späterer Manifestation (bis ins Erwachsenenalter) bereits Komplikationen vorhanden.Ê |
Ausschlussdiagnose (Suche nach pulmonalen und neuromuskulären Erkrankungen)
Polysomnographie
Medikamentöse Therapie
(Theophyllin, Coffein, Progesteron, Methylphenidate, Doxapram, Dimeflin)
Mechanische Atemhilfen
Positive Druckbeatmung über eine Tracheostomie
Positive Druckbeatmung über eine Nasenmaske
BIPAP-Beatmung
Bilaterales Phrenikuspacing (Zwerchfellpacing)
Genetik
18 familiäre Fälle beschrieben
| Chromosom 10q11.2: Tyrosin-Rezeptor Kinase (RET) Proto-Onkogen mit 20 Exons. Wechsel von Adenin im 12. Exon zu Guanin: Entwicklung des mukarinergen Systems des ANS mit Modulation der Chemorezeptorsensitivität.Ê | |
| Endothelin-B-Rezeptor (EDNRB) Gen auf Chromosom 13q22. | |
| Endothelin-B-Rezeptor (EDN 3) Gen auf Chromosom 20q13.2-q13.3. |