Beschwerden bestehen meistens keine, gelegentlich klagen die Patienten
über ein unbestimmtes "Ziehen".
Bei fast 1/5 der 15 jährigen Knaben findet sich eine Varikozele.
Eine Grad 2-Varikozele liegt bei etwa 3-5% der Jugendlichen vor.
Eine Volumendifferenz der Hoden von mehr als 2 ml ist pathologisch.
Liegt eine solche Situation vor, sollte eine Bestimmung von FSH, LH und
Testosteron vorgenommen und ein LHRH-Stimulationstest durchgeführt
werden. Steigt das LH sehr stark an, spricht dies für eine gestörte
Funktion der Leydigzellen, steigt das FSH stark an, liegt mit grosser Wahrscheinlichkeit
eine Schädigung der Tubuli seminiferi vor. Eine Varikozele kann also
zu einer Störung der Spermiognese führen. Der LHRH-Stimulationstest
ist besonders bei Adoleszenten oder Patienten mit Varikozele wertvoll,
die kein Ejakulat produzieren.
Ultrasonographiosch könne die Varikozelen in einen sog. "Shunt-Typ"
und in einen "Stop-Typ" unterschieden werden.
Da erwiesenermassen nicht jeder Patient mit einer Varikozele subfertil
ist, stellt sich die Frage, welche Patienten sollen operiert werden. Einige
Studien zeigen, dass sich das Spermogramm deutlich bessert, wenn bei Subfertilität
die Varikozele operiert wird. Nebst der Frage, ob eine Operation überhaupt
durchgeführt wird, stellt sich auch die Frage nach dem Operationszeitpunkt,
insbesondere da mehrere Untersuchungen vermuten lassen, dass der grösste
Schaden durch eine Varikozele beim schnell wachsenden Hoden des Jugendlichen
auftritt.
In vielen Kliniken in Europa und USA stellt die Diagnose einer Varikozele
nicht automatisch eine Indikation zur Operation dar. Wenn bei einem Jugendlichen
mit linksseitiger Varikozele das Hodenwachstum und die Hodengrösse
symmetrisch und die LH-, FSH- und Testosteronwerte normal sind, kann zugewartet
werden, wobei dann klinische Verlaufskontrollen mit Ultraschall inkl. Doppleruntersuchung
in 6-monatigen Abständen sowie erneute Bestimmung der Gonadotropinwerte
nach 1 Jahr empfohlen werden.
Weitgehend Einigkeit besteht darüber, dass alle rechtsseitigen
und beidseitige Varikozelen operiert werden sollen. In diesem Fall
muss zum Ausschluss eines Nierentumors als Ursache der Varikozele eine
Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.
Die Indikation zur Operation ist ebenfalls gegeben, wenn ein Hoden
deutlich kleiner ist (> 2 ml), schlechter wächst, wenn die Varikozele
sehr gross ist oder schnell grösser wird, wenn das LH hoch und das
Testosteron erniedrigt ist oder die Ejakulatparameter subnormal bleiben.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass Varikozelen vom Shunt-Typ operiert
werden sollten, weil in diesem Fall mit einem Hodenminderwachstum zu rechnen
ist, während Varikozelen vom Stop-Typ nicht zu operieren sind.
Der Eingriff, d.h. die Beseitigung der Varikosis, erfolgt entweder
als ěhohe Ligaturî (Palomo oder Bernardi), wobei die Vena spermatica interna
bei der Einmündung in die Vena renalis auf Höhe des mittleren
Ureters ligiert und durchtrennt wird oder als Ligatur im Bereiche des inneren
Leistenringes = "tiefe Ligatur" (Ivanissevitch). Diese Technik hat den
Vorteil, dass der kollaterale Fluss zu den Lumbalvenen, zum Abflussgebiet
der Niere und im inguinoskrotalen Bereich unterbunden und daher das Rezidivrisiko
möglicherweise kleiner ist. Im Trend liegt heute die laparoskopische
Varikozelenoperation, bei der oberhalb des inneren Leistenrings die erweiterten
Hodenvenen mit Clips ligiert und durchtrennt werden. Die Rezidivrate liegt
bei allen Methoden bei 5-10% bedingt durch die zahlreichen Kollateralen.
Die perkutane Skleorsierung wird bei Knaben selten angewandt.
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