Urodynamik - Enuresis/Urin-inkontinenz 
    Miktionsstörungen im Kindesalter

    Übersicht über die Miktionsstörungen im Kindesalter.

    Enuresis / Inkontinenz

    Der erste Schritt in der klinischen Evaluation von Kindern mit Miktionsstörungen beinhaltet eine detaillierte Anamnese, anschliessend eine genaue körperliche Untersuchung und ein Miktionsprotokoll.

    Abklärungsschema

    • Genaue Anamnese mit  Blatt
    • Körperliche Untersuchung (Länge, Gewicht. BD, urologisch inspektorisch,lumbosacral)
    • Urinstatus / Uricult / Spez.Gew.
    • Miktionsprotokoll
    • Ev. spezif. Gew. des Urins bestimmen
    • Uroflowmetrie
    • Ultraschall (Resturin und Blasen-und Nierenverhältnisse)
    • MCUG
    • Blasenmanometrie
    • Urethro-/Zystoskopie

    Diese Untersuchungen führen zu einer ersten Unterscheidung zwischen Enuresis und Inkontinenz.

    Urodynamische Untersuchungen:

    Uroflowmetrie: das Kind miktioniert auf einer speziellen Toilette. Dabei werden sowohl die Miktionsmenge wie auch die Miktionszeit festgehalten. Daraus lässt sich dann auch der durchschnittliche Flow errechnen. Gleichzeitig wird mittels Oberflächenelektroden die Aktivität der Bauchmuskulatur sowie der Beckenbodenmuskultaur registriert. Damit lässt sich eine sog. Sphincter-Detrusor-Dissynergie (s.u.) feststellen.

    Blasenmanometrie: durch einen meist durch die Urethra eingeführten Zweiwegkatheter wird der Blaseninnendruck während der Füllungsphase und während der Miktion registriert. Damit können die neuropathischen Blasenstörungen charakterisiert werden. Zudem wird diese Untersuchung zum Festhalten von prä- und postoperativen Verhältnissen benützt.


    Enuresis

    Definition
    Wir sprechen von einer Enuresis, wenn die Kinder nach dem 6. Lebensjahr mindestens 2 Nächte pro Monat einnässen.
    Die Enuresis wird definiert als eine normale Miktion, die zum falschen Zeitpunkt und am falschen Ort stattfindet. Meistens findet sie nachts statt. Die Kinder wachen dabei nicht auf. Andere Symptome sind nicht vorhandenund oft zeigt sich eine genetische Disposition.
    Urodynamisch finden wir keine Pathologie der unteren Harnwege.

    Zur Pathogenese der Enuresis bestehen eine Reihe von Hypothesen, von denen die Theorie der Blasenreifungsstörung am weitesten akzeptiert ist.

    Die Inzidenz beträgt bei 5-Jährigen 15-20%.
    Bei einer spontanen Remissionsrate von 15% pro Jahr sinkt diese Zahl auf 1-2% bei 15-Jährigen.


    Inkontinenz

    Definition 
    Die Urininkontinenz wird definiert als unwillkürlicher Urinabgang, der objektiv feststellbar ist und zu einem sozialen Problem führt.

    Organische / funktionelle Inkontinenz

    Die Urininkontinenz wird unterteilt in organische und funktionelle Inkontinenz. Je nach Anamnese und körperlicher Untersuchung erfordert diese Differenzierung weitere diagnostische Massnahmen wie z. B. MCUG, Cystoskopie oder urodynamische Untersuchung, d.h. eine Uroflowmetrie und eventuell anschliessend eine Manometrie.

    1. Organische Ursachen

    Die organischen Ursachen einer Inkontinenz sind entweder strukturell oder neuropathisch.

    A) Neuropathisch

    - MMC
    - Querschnittssyndrom
    - Caudales Regressionssyndrom
    - Sakrallipom
    - Tethered-cord-Syndrom
    - Tumoröse/entzündliche Erkrankungungen des ZNS

    B) Strukturell

    - HWI bei VUR
    - Urethrastenose
    - Urethralklappen
    - Ektoper Ureter
    - Epispadie
    - Blasenexstrophie

    2. Funktionelle  Ursache
     
    Unter einer funktionellen Urininkontinenz versteht man ein pathologisches Miktionsverhalten, das nicht auf einer organischen Ursache beruht.

    Die funktionelle Inkontinenz kann in 4 Untergruppen aufgeteilt werden.

    • Urge Syndrom
    • Dysfunctional voiding
    • Lazy Bladder Syndrom
    • Stressinkontinenz

      2.1 Urge-inkontinenz (Urge Syndrom)

      Die Diagnose einer Urge-Inkontinenz wird aufgrund einer Blasenmanometrie gestellt.
      Charakteristisch für die Urge-Inkontinenz ist der plötzlich auftretende Harndrang, der durch Haltemanöver, wie z.B. Fersensitzunterdrückt wird.

      Meist ist die Blasenkapazität klein für das Alter und die Kinder müssen ständig die Toilette aufsuchen.

      Die Zystomanometrie zeigt meistens häufige Detrusorkontraktionen während der Füllungsphase. Die Miktion selber ist normal mit normalen Flowwerten und vollständiger Relaxation der Beckenbodenmuskulatur während der Miktion.

      Schon bei geringer Füllung von nur 20ml treten erste Detrusorkontraktionen auf, schon bei einem Füllungsvolumen von 50ml erfolgt die erste Miktion.

      Es gibt aber auch eine sensorische Urge-Inkontinenz, bei der keine Detrusorkontraktionen auftreten.

      2.2 Dysfunctional voiding

      Bei einer normalen Miktion entspannt sich die Beckenbodenmuskulaturwährend der Miktion und die Blase wird ganz entleert.

      Bei einem Dysfunctional voiding finden wir eine mangelnde Koordination zwischen Sphincter und Detrusor während der Miktion. Die normalerweise einsetzende Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur während der Miktion unterbleibt. In der Folge kann die Blase nicht vollständig entleert werden (sog. Sphincter-Detrusor-Dissynergie). Es resultieren Resturin und rezidivierende Harnwegsinfekte

      Wir finden in der Uroflowmetrie immer eine Beckenboden-Aktivität im EMG, und oft auch eine unterbrochene Miktionskurve.

      Oft findet man im Urethrocystogramm eine amphorenförmige Urethra.

      2.3 Lazy Bladder Syndrom

      Beim Lazy Bladder Syndrom finden wir eine riesige Harnblase (Megavesica), verursacht durch willkürliche Harnverhaltung. Auffallend ist dabei die grosse Blasenkapazität. Ein Harndrang ist fast nicht vorhandenund die Kinder zögern die Blasenentleerung lange hinaus, wodurch es zu einer chronischen Blasenüberdehnung und wahrscheinlich myogenen Störung der Blase kommen kann. Die Kinder gehen nur 1-2x täglichauf die Toilette und entleeren die Blase auch mit Hilfe der Bauchpresse unvollständig. Es resultieren Harninkontinenz und rez. Harnwegsinfektionen.

      2.4 Stressinkontinenz

      Unter Stress Inkontinenz versteht man unwillkürlichen Urinabgang während körperlicher Anstrengung, wie z.B. Turnen, aber auch Husten und Lachen. Dabei übersteigt der abdominale Druck den intraveskalen Druck, d.h. der urethrale Verschlussdruck genügt nicht mehr und es kommt zu Abgang von wenig Urin.
      Eine Sonderform ist die "Giggle"-Inkontinenz, bei der Lachen eine Detrusorkontraktion triggert, die konsekutiv eine komplette Blasenentleerung verursacht.


      Übersicht über die Therapiemöglichkeiten

     


      http://www.kinderchirurgie.ch