In der Neugeborenenperiode kann sich eine Cystische Fibrose (CF) mit einem Mekoniumileus, einer Cholostase oder einer neonatalen Appendicits äussern.
1. Mekoniumileus
10-20 % aller Fälle mit cystischer Fibrose manifestieren sich
in der Neugeborenenperiode mit einem Mekoniumileus, bedingt durch ein pathologisch-visköses
Mekonium, "das wie Kaugummi an einem Teppich haftet". Die Obstruktion kann
kompliziert sein durch eine Atresie, einen Volvulus oder eine Perforation.
Falls die Perforation nicht intrauterin abgeheilt ist, liegt gleichzeitig
eine Mekoniumperitonitis vor. Die nicht operative Therapie mittels zum
Teil wiederholten Gastrographieeinläufen, um die Obstruktion zu beheben,
ist in etwa 1/3 - 1/2 der Fälle mit Mekoniumileus erfolgreich. Das
Risiko für eine Darmperforation beträgt dabei 5-17 %. Die übrigen
Fälle und alle Fälle von kompliziertem Mekoniumileus bedürfen
einer chirurgischen Intervention. Bei Vorliegen eines Mekoniumileus hat
sich das chirurgische Spülen des Darmes durch eine Enterotomie bewährt.
Gelegentlich muss eine Enterostomie angelegt werden. Wichtig ist, die Enterostomie
in einen Bereich zu legen, wo das Mekonium sicher evakuiert werden kann,
um die Darmpassage vom Magen bis zur Enterostomie sicherzustellen. Bei
einem komplizierten Mekoniumileus richtet sich das chirurgische Vorgehen
einerseits nach der Ursache der Peritonitis und andererseits nach der Form
der Mekoniumperitonitis.
2. Cholostase (Gallepropf-Syndrom / "Inspissated bile syndrome")
In einigen Fällen kommt es zu einer Pfropfbildung der Galle im
biliären System, was zu einer obstruktiven Cholangiopathie führt.
Einige Patienten haben sogar acholischen Stuhl. In diesen Fällen zeigt
der Iodida-Scan eine fehlende intestinale Exkretion des Radioisotopes.
Falls keine Erweiterung der Gallenwege vorliegt, was für eine intrahepatische
Störung spricht, wird Ursodesoxycholsäure als Choleretikum eingesetzt.
Falls ohne Erfolg, kann die Cholerese meist mit Prostaglandin E2, das eine
sehr potente choleretische Wirkung hat, forciert werden. Falls die medikamentöse
Therapie erfolglos ist oder eine deutliche Dilatation der obstruierten
Gallenwege in der Ultraschalluntersuchung gezeigt wird, was auf eine mechanische
extrahepatische Obstruktion hinweist, muss eine Spülung der Gallenwege
entweder retrograd mittels ERCP oder chirurgisch durch eine Cholecystotomie
vorgenommen werden, vor allem wenn eine Verschlechterung der Leberfunktion
nachweisbar ist.
3. Neonatale Appendicitis
Die sehr seltene neonatale Appendicitis kann das erste Symptom einer
CF sein. Bei allen Fällen von neonataler Appendicitis sollte unbedingt
eine CF als Grundkrankheit ausgeschlossen werden.
Aeltere Kinder
Bei älteren Kindern gibt es eine Vielfalt von intestinalen, biliären und pulmonalen Manifestationen der CF, die eine chirurgische Therapie notwendig machen können.
1. Rektumprolaps
Der Rektumprolaps ist die häufigste Komplikation einer CF bei
älteren Kindern (ca. 23 %) und bedeutet eine Herniation der Rektummucosa
oder der gesamten Rektumdarmwand durch den Analkanal nach aussen. Bei Kindern
mit einem Rektumprolaps muss deshalb immer eine CF als mögliche Grundkrankheit
ausgeschlossen werden. Die meisten Fälle sprechen auf eine nicht operative,
d.h. konservative Therapie an. Die chirurgische Intervention besteht in
einer Fixierung des Rektums mittels Sklerosierung oder einer formellen
Rektopexie.
2. Ileus
Ein Ileus bei älteren Kindern mit cystischer Fibrose kann verschiedene
Ursachen haben:
2.1. Distales intestinales Obstruktionssyndrom (Mekoniumileusäquivalent): Das distale intestinale Obstruktionssyndrom ist die häufigste Ursache eines Ileus bei älteren Kindern mit CF. Bei dieser Situation kommt es zu einer Obstruktion des Intestinaltraktes durch eine Ausfällung von mukofäkalen Massen, praktisch immer wegen Absetzen oder Unterdosierung der Pankreasenzymsupple-mentierung.
2.2. Colonstriktur: Colonstrikturen, fast ausnahmslos im Bereich des Colon ascendens, wurden nach Einnahme von hoch dosierten Pankreas-enzympräparaten beschrieben. Diese Komplikation muss bei allen pädiatrischen Patienten in Betracht gezogen werden, wenn sie unter Therapie mit hochkonzentrierten magensaftresistenten Pankreaspräparaten die Symptome eines Mekoniumileusaequivalentes zeigen und auf konventionelle Behandlung nicht ansprechen oder wiederholte Subileusereignisse vorliegen. Die Untersuchung der Wahl ist die Sonographie, welche in diesen Fällen eine Verminderung der Peristaltik, eine Verdickung der Colonwand über 2 mm und eine Dilatation des Colons proximal der Stenose und freie intraperitoneale Flüssigkeit zeigt. Die Peristaltik des erkrankten Abschnittes ist stark eingeschränkt. Der Colonkontrasteinlauf zeigt eine Zoekumverlagerung nach cranial und eine Colonstenose, welche vom Ascendens bis zum Rektum reichen kann; die Mukosa weist im Ascendensbereich Spikel und Füllungsdefekte auf. Endoskopisch gewinnt man keine zusätzlichen Informationen. In diesen Fällen ist eine Resektion und End-zu-End Anastomose notwendig.
2.3. Invagination: Invaginationen bei Patienten mit cystischer Fibrose finden sich bei Kindern, die meist älter sind als Kinder mit einer idiopathischen Invagination und sind oft rezidivierend. Die meisten Fälle können nicht operativ behandelt werden, entweder mittels hydrostatischer oder pneumatischer Reduktion. Bei älteren Kindern und Kindern mit rezidivierender Invagination muss eine CF als mögliche Grundkrankheit ausgeschlossen werden.
3. Pneumothorax/Hämoptoe
Der typisch visköse Schleim in den Bronchiolen und Bronchien von
Patienten mit cystischer Fibrose führt zu einer Obstruktion der Bronchiolen
mit nachfolgenden Brochiektasen. Trotz Behandlung kommt es meist zu einer
progredienten chronischen Vereiterung, welche schliesslich fast das gesamte
Lungenparenchym betrifft. Rezidivierende pulmonale Infekte und Bronchiektasen
führen zu einem emphysematischen Umbau des Lungengewebes, was einerseits
zu einem Pneumothorax führen kann, aber auch zu einer Entwicklung
von pulmonalen zu bronchialen arteriellen Kollateralen, was die Ursache
der Blutung bei Patienten mit Hämoptoe darstellt. Aufgrund der heute
deutlich erhöhten Ueberlebensrate finden sich mit steigender Frequenz
Pneumothoraces und/oder massive Hämoptoe bei Patienten mit CF. Die
Thoraxdrainage mittels Thorakocentese beinhaltet eine hohe Rezidivrate
(55 %). Eine chemische Pleurodese hat ebenfalls eine signifikante Rezidivrate
und auch einige Nebenwirkungen. Die effektivste Intervention, die chirurgische
Pleurodese, entweder mittels Pleuraabrasion oder Pleurektomie, kann heute
thorakoskopisch durchgeführt werden, was gegenüber einer Thorakotomie
mit einer deutlich reduzierten postoperativen Morbidität einhergeht.
4. Cholelithiasis
Eine Cholelithiasis findet sich bei ungefähr 12 % aller Patienten
mit cystischer Fibrose. Bei Patienten mit einer symptomatischen Cholecystolithiasis
wird die Cholecystektomie empfohlen. Bei einer Choledocholithiasis wird
heute vornehmlich die Papillenspaltung und Steinextraktion mittels ERCP
angewandt. Akalkuläre Cholecystitiden und rezidivierende Choledocholithiasis
sind beschrieben.
5. Portale Hypertension
In einigen Fällen kommt es in der Leber zu einer fokalen biliären
Cirrhose, bedingt durch gallehaltige Schleimpfröpfe, die zu fokalen
obstruktiven Läsionen führen. Progrediente Leberveränderungen
finden sich in weniger als 5 % aller Patienten mit CF. Wenn sie aber vorhanden
sind, so führen sie zu einer portalen Hypertension mit den bekannten
Folgen und Komplikationen.
6. Appendicitis
Eine akute Appendicitis ist bei Patienten mit CF weniger häufig
als in der allgemeinen Bevölkerung, aber die Incidenz einer perforierten
Appendix zum Zeitpunkt der Diagnose ist deutlich höher, wahrscheinlich
weil viele Kinder mit CF oft wegen pulmonalen Infekten unter Antibiotika
stehen. Andererseits kann aber eine Appendicitis mit ihren charakteristischen
histologischen Veränderungen das erste Symptom einer CF sein.
7. Inguinalhernie
Patienten mit cystischer Fibrose haben eine erhöhte Incidenz von
Inguinalhernien. Die Rezidivrate von Inguinalhernien bei CF Patienten ist
signifikant. Zudem haben 80 % der Knaben mit einer CF bilateral Anomalien,
in der Regel ein vollständiges Fehlen des Vas deferens!
8. Gastroösophagealer Reflux
Ein gastroösophagealer Reflux mit Aspiration kann zu einer Aggravierung
einer bereits bestehenden Lungenveränderung führen, was für
die Prädilektion des rechten Oberlappens im Rahmen von CF bedingten
Lungenveränderungen verantwortlich ist. Bei diesen Patienten ist eine
Fundoplicatio klar indiziert.
9. CF und Nasennebenhöhlen
Eine chronische Sinusitis -mit oder ohne Polypen- ist eine häufige
Begleiterscheinung bei Kindern mit CF . Sie verläuft oft oligosymptomatisch.
und kann bei Verdacht mittels endoskopischer Rhinoskopie und CT diagnostiziert
werden. Vor allem die eitrige, posteriore Rhinorrhoe spielt in der Pathogenese
der chronisch-rezidivierenden Bronchopneumonie beim CF-Patienten eine wichtige
Rolle.
Die Bakteriologie des Nasensekretes gibt keinen Aufschluss über
den die Sinusitis verursachenden Erreger, da die Kultur durch nasale Saprophyten
verfälscht wird. Einzig sinuskopisch gewonnene Kulturen sind verlässlich
und ergeben neben den klassischen Keimen (Pneumokokken, Hämophilus,
Moraxella) häufig auch Pseudomonas aeruginosa .
Zur Behandlung der Infekte der unteren Atemwege beim CF-Patienten werden
oft und frühzeitig Gyrasehemmer eingesetzt, um vor allem den Pseudomonas
unter Kontrolle zu bringen. Dadurch werden fast zwangsläufig resistente
Stämme entstehen.
Wenn der junge Patient schliesslich in ORL-Behandlung kommt sind die
Kieferhöhlen häufig mit z.T. multiresistenten Pseudomonas besiedelt.
Um die rezidivierende Besiedelung der Lungen mit multiresistenten Pseudomonas
aeruginosa aus den Nasennebenhöhlen zu verhindern ist eine Ethmoidektomie
mit weiter Eröffnung des Recessus frontalis und der Kieferhöhle
möglichst frühzeitig durchzuführen. Durch den postoperativ
unbehinderten Zugang zu Nase und Nasennebenhöhlen können diese
einfach, nicht invasiv und ohne Anästhesie jederzeit gereinigt werden
falls eine erneute Besiedelung stattgefunden hat.
Der primäre Eingriff ist auch für ein Kind wenig belastend
und dank moderner Endoskopie- und Mikroskopie-Technik in geübten Händen
risikoarm. Die Entwicklung resistenter Pseudomonas-Stämme kann durch
diesen wenig belastenden und risikoarmen Eingriff verhindert oder zumindest
verzögert werden. Die Entstehung von Polypen wird deutlich behindert;
bei allfälligen Recidiven ist der Eingriff wiederholbar. Die Häufigkeit
der Hospitalisationen für teilweise nebenwirkungsreiche i.v.-Antibiotikatherapien
kann gesenkt werden. Und zu guter Letzt kann die Inzidenz potentiell infektbedingter
Komplikationen nach Lungentransplantation gesenkt werden.
Weiterführende Literatur:
http://.www.kinderchirurgie.ch