Spina bifida occulta
Die Häufigkeit einer Spina bifida occulta beträgt im Kindesalter
10-25 %. In den meisten Lehrbüchern wird die Spina bifida occulta
als Zufallsbefund anlässlich einer Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule
und ohne klinische Bedeutung dargestellt. Bei einigen Fällen von Spina
bifida occulta finden sich aber bedeutsame unterliegende Pathologien des
ZNS.
Es gibt 6 kutane Zeichen, die entweder allein oder in Kombination
auf eine unterliegende kongenitale, neuroektodermale Anomalie im Sinne
einer Spina bifida occulta hinweisen. Diese Zeichen sind
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ein Haarbüschel,
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ein kapilläres Hämangiom,
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ein dermaler Sinus,
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ein medialer oder paraspinaler Tumor,
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ein rudimentärer "Schwanz" und
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eine atretische Meningocele.
Bei 15 % der Patienten mit einer Analatresie liegt eine assoziierte Spina
bifida occulta mit einer Anomalie des Filum terminale mit Tethered cord
mit oder ohne assoziiertem Lipom vor. Kapilläre Hämangiome in
der Lumbalgegend sind in mehr als 10 % assoziiert mit einer unterliegenden
Pathologie des ZNS. In bezug auf Hautgrübchen (dermaler Sinus) lässt
sich sagen, dass, unabhängig von deren Tiefe, diejenigen, die kranial
der Rima ani liegen, potentiell mit dem Subarachnoidalraum kommunizieren,
sodass eine oberflächliche Excision ohne intradurale Exploration gefährlich
ist. Hautgrübchen, die in der Rima ani liegen, sind blind endend und
haben keine intraspinale Kommunikation. Coccygeale Hautgrübchen finden
sich in ca. 4 % der Neugeborenen. Diese sind klinisch bedeutungslos und
bedürfen keiner weitergehenden Untersuchung, im Gegensatz zu den Hautgrübchen,
die kranial der Rima ani liegen.
Hautgrübchen, die in der Rima ani
liegen, sind blind endend und haben keine intraspinale Kommunikation.
Diesen erwähnten 6 kutanen Zeichen können 7 primäre
Pathologien einer Spina bifida occulta zugrundeliegen, nämlich
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eine terminale Syringomyelie,
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eine Lipomyelomeningocele,
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eine neurenterische Cyste,
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das Tethered cord Syndrom,
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die Diastematomyelie,
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ein dermaler Sinustrakt mit oder ohne Dermoidtumor und
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die "méningocèle manqué".
Die häufigste Fehlbildung ist das Tethered cord Syndrom. Bei dieser
Fehlbildung liegt eine abnorme Fixation des Rückenmarks mit einer
kurzen Cauda equina vor sowie ein tiefer Conus medullaris, der durch ein
verdicktes Filum terminale oder Lipom mit dem Sacrum verwachsen ist.
Bei einer Analatresie findet sich in 10-15 % eine signifikante intradurale
Pathologie, ohne dass sich meistens kutane Zeichen dafür zeigen. Bei
einem Drittel dieser Fälle findet sich eine Anomalie der lumbosacralen
Wirbelsäule oder des Coccyx. Diese assoziierte Spina bifida occulta
ist unabhängig von der Höhe der Atresie, bestehender Sacralanomalie
oder Geschlecht der Patienten. In den meisten Fällen handelt es sich
um ein Tethered cord Syndrom. Alle diese Patienten brauchen eine entsprechende
Untersuchung, wobei in den ersten 3-4 Monaten aufgrund der unvollständigen
Verknöcherung der Wirbelkörper eine Ultraschalluntersuchung die
Pathologie sichtbar macht, später ist eine MRI Untersuchung notwendig.
Es ist wichtig zu wissen, dass bei einem Teil dieser Patienten mit Tethered
cord Syndrom und verdicktem Filum terminale der Conus medullaris in absolut
normaler Position liegt. Patienten mit Spina bifida occulta und einer ZNS-Pathologie
können offensichtliche neurologische Ausfälle der Blasen- und/oder
Darmmotilität oder der unteren Extremitäten zeigen. Die meisten
Patienten haben initial keine Ausfälle. Eine urodynamische Untersuchung
kann bereits das Muster einer neurogenen Blase zeigen, bevor klinisch Beschwerden
oder Symptome bestehen. Mit dem Wachstum stellen sich aber progrediente
neurologische Symptome wie Stuhlinkontinenz, Miktionsstörungen, Hinken
oder Zeichen einer Spastizität ein. Eine frühe neurochirurgische
Intervention kann ein definitives oder progredientes neurologisches Defizit
verhindern.
Weiterführende Literatur:
-
Kanev PM, Park TS: Dermoids and dermal sinus tract of the spine. Neurosurg
Clin N Amer 6:359-366, 1995
-
Tsakayannis DE, Shamburger RC: Association of imperforate anus with occult
spinal dysraphism. J Pediatr Surg 30:1010-1012, 1995
http://www.kinderchirurgie.ch