Anatomie und Funktion des Anorektums:
Das Kontinenzorgan umfasst den Verschlussapparat und den Entleerungsapparat.
Zum Verschlussapparat gehören vor allem die Schliessmuskeln (äusserer
und innerer Sphinkter) sowie die Puborektalisschlinge. Den Entleerungsapparat
bildet zur Hauptsache der Mastdarm (Rektum), dessen Peristaltik den Darminhalt,
nach Erschlaffung der Puborektalisschlinge sowie der Sphinktermuskeln -
unterstützt durch ein Valsalvamanöver und die Bauchpresse - durch
den Analkanal nach aussen befördert. Die hauptsächliche Steuerung
des Anorektums erfolgt durch die Segmente S2 ? S4 des Sakralmarkes. Diese
Segmente bilden ein Reflexzentrum für die Stuhlentleerung. Dies entspricht
auch dem Miktionszentrum der Blase. Die Nerven dieser Segmente kontrollieren
den äusseren Afterschliessmuskel, den Levator ani-Muskel (Beckenbodenmuskel)
sowie die Sensibilität im Rektum. Die Information über den Füllungszustand
des Mastdarmes ist eine ganz entscheidende. Nur mit dieser Information
kann eine Reaktion erfolgen, nämlich entweder den Stuhldrang unterdrücken
oder eine Stuhlentleerung einleiten. Regulierend nehmen auf diesen Reflexbogen
auch Nervenbahnen von Gehirn (sog. cortico-anale Bahnen) Einfluss. Liegt
die Cele oberhalb dieses Reflexzentrums, funktioniert der Reflexbogen und
damit der Sphinkterapparat prinzipiell als eigenständiges Reflexsystem,
der, je nachdem wieviel zum Gehirn laufende Bahnen gestört sind, mehr
oder weniger stark kontrolliert werden kann. Besonders wichtig ist auch
die Sensibilität des Analkanals, weil sie zur Diskriminierung, d.h.
Unterscheidung zwischen hartem, flüssigem und gasförmigem Darminhalt
absolut notwendig ist. Diese Diskriminierung wiederum ist entscheidend
für die Reaktion auf den Stimulus durch den Darminhalt.
Normale Stuhlentleerung (Defaekation):
Um die Pathologie einer gestörten Defaekation besser zu verstehen,
muss man sich zunächst im klaren sein, wie eine normale Defaekation
abläuft. Sie beginnt damit, dass Stuhl ins Rektum gelangt, was zu
Stuhldrang führt. In Ruhe ist der Mastdarm normalerweise leer. Diese
Füllung des Rektums ist eine absolute Voraussetzung dafür, dass
irgendwelche Reaktion stattfindet. Dehnungsrezeptoren in der Darmwand vermitteln
ein Füllungsgefühl, und es stellt sich Stuhldrang ein. Diese
Information gelangt über Nerven ans Reflexzentrum im Rückenmark
und über die oben erwähnten cortico-analen Bahnen ins Gehirn.
Absteigende Nerven dirigieren die Reaktion von unwillkürlich reagierenden
Muskeln (z.B. die Sphinktermuskeln) und solchen, die willkürlich betätigt
werden (z.B. Beckenbodenmuskulatur). Im Normalfall führt eine Füllung
des Rektums dazu, dass entweder der Beckenboden aktiviert wird, wenn dem
Stuhldrang nicht nachgegeben werden kann, oder man sitzt ab, was zur Erschlaffung
der Puborectalismuskulatur und des äusseren Schliessmuskels führt
und setzt so eine Stuhlentleerung in Gang. In diesem Fall folgt eine Kontraktion
des Musculus levator ani. Anschliessend erschlafft der innere Muskel, es
folgt ein Valsalvamanöver, d.h. eine Blockierung der Atmung unter
gleichzeitigem Pressen, wodurch der abdominale Widerstand erhöht wird
und schliesslich führt das Einsetzen der Bauchpresse zur Protrusion
des Stuhles durch den Analkanal.
a) Ursachen:
Ursachen einer Obstipation können zwei unterschiedliche Störungen
sein:
1. eine "outlet delay constipationä, d.h. der zunächst einmal
weiterbeförderte Darminhalt stockt im letzten Abschnitt des Enddarmes
und
2. eine "slow transit constipationä, d.h. der Transport des Nahrungsbreis
ist durch das gesamte Colon verlangsamt.
In einer Studie von Pigeon et al. war die Colontransitzeit bei allen
Patienten mit Myelomeningocele signifikant verlängert. Von den obstipierten
Patienten zeigte die eine Hälfte eine verzögerte Transitzeit,
vornehmlich im Bereich des linken Hemicolons und die andere eine verzögerte
Passage im Rektosigma. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der Colontransitzeit
und der Höhe der Cele nachgewiesen werden. Bei 2/3 aller Patienten
fand sich eine rektoanale Dyssynergie, d.h. eine abnormale Kontraktion
des Puborektalismuskels sowie des äusseren Schliessmuskels während
dem Pressen. Weder anamnestisch noch die Anzahl Stuhlentleerungen gaben
Hinweise auf die Colontransitzeit.
Die Ursache der Obstipation bei Spina bifida-Patienten ist praktisch
immer ein neurogenes Rektum analog wie bei der neurogenen Blase, d.h. ein
hyperaktiver Schliessmuskel bei verminderter Peristaltik des Rektums. Dies
führt zu einer Eindickung des Stuhls, was die Defaekation bei erhöhter
Sphinkteraktivität zusätzlich erschwert. Von einer Ueberlaufenkoprese
(Pseudoinkontinenz) spricht man, wenn es durch eine Ausweitung von Rektum
und Analsphinkter durch eine grosse Stuhlmasse zu einer Inkontinenz für
flüssigen Stuhl kommt, der dann neben der konsistenten Stuhlmasse
vorbeiläuft und nicht zurückgehalten werden kann.
b) Therapiemöglichkeiten:
Es gibt schematisch gesehen vier Therapiemöglichkeiten:
1. Diätetische und medikamentöse Massnahmen
2. Stuhltraining
3. Bowel Management.
4. Stuhlausräumung
Unter den diätetischen und medikamentösen Massnahmen ist
an erster und wichtigster Stelle die Zufuhr von reichlich Flüssigkeit
zu erwähnen. Dies führt dazu, dass der Stuhl nicht zu stark ausgetrocknet
und damit zu hart wird, sodass er leicht ausgestossen werden kann. Selbstverständlich
ist jede Art von stopfender Kost zu vermeiden. Vorteilhaft ist es, wenn
die Patienten viel Obst essen. Ebenso ist auf eine ballast- und faserreiche
Kost zu achten. Falls mit einem entsprechenden Diätplan Schwierigkeiten
auftreten, gibt es neuerdings ein nicht quellendes Faserpräparat der
Novartis unter dem Namen Benefiber. Die Verwendung von Ballaststoffen führt
bei einigen Patienten zu lästigen und unangenehmen Nebenwirkungen.
Viele klagen über Völlegefühl und Blähungen. Manchmal
wird die Verstopfung sogar schlimmer.
Das Thema Laxantien ist fast unerschöpflich. Die Erfahrung zeigt,
dass viele Eltern resp. Patienten vor einer länger dauernden Applikation
von Laxantien zurückschrecken, da sie eine Gewöhnung befürchten.
Da aber die Innervationsstörung, welche zur gestörten Defaekation
bei Spina bifida-Patienten führt, sich mit dem Wachstum nicht ändert,
ist es klar, dass alle Massnahmen, welche die Stuhlentleerung resp. die
Inkontinenz beeinflussen sollen, im Sinne eines langdauernden oder sogar
lebenslangen Prozesses gesehen werden müssen. Grundsätzlich ist
zu sagen, dass nichts Geben gefährlicher und/oder nachteiliger ist
für den Patienten als die möglichen Nebenwirkungen von Laxantien.
Es ist in der Regel nicht zu erwarten, dass eine Gewöhnung resultiert,
welche bedeutet, dass initial Hausmittel noch absolut genügen und
mit der Zeit zu immer invasiveren Massnahmen geschritten werden muss. Trotzdem
ist eine gewisse Zurückhaltung am Platz, und die Laxantientherapie
sollte als Stufenkonzept verstanden werden. Die basale Therapie erfolgt
mit Hausmitteln wie Fenchelthee, Feigensirup oder ähnlichem. Die nächste
Stufe sind die nicht resorbierbaren Zucker, wie z.B. Lactulose (Duphalac,
Importal, Gatinar und andere). Der nächste Schritt ist eine aggressivere
orale abführende Therapie, vorzugsweise mit Macrogol (Transipeg).
Der Vorteil dieses isoosmotischen Darmregulans liegt darin, dass keine
grösseren Säure-/Basen- und Salzverschiebungen resultieren, sondern
nur das Stuhlvolumen durch Bindung von Wasser erhöht wird. Signifikante
unerwünschte Nebenwirkungen sind ebenfalls nicht bekannt. Allerdings
fehlen für das Kindesalter grössere kontrollierte Studien. Eine
"outlet delay constipationä lässt sich mit Laxantien nicht gut behandeln
(im Gegensatz zu einer "slow transit constipationä). Aus diesem Grund
sind bei dieser Form der Obstipation Massnahmen, welche die Passage des
Stuhls durch den Analkanal provozieren, generell wirksamer. Als erstes
sei die Applikation von Glycerin-Suppositorien genannt, welche einerseits
eine Stimulation bewirken und andererseits den Enddarm schmieren, sodass
die Passage auch von klebrigem, härterem Stuhl vereinfacht wird. Schliesslich
muss noch die Anwendung von Mikro Clist und Practo Clyss diskutiert werden.
Bei diesen beiden Medikamenten ist Zurückhaltung angebracht. Mikro
Clist (enthält Natriumcitrat und Natriumlaurylsulfoacetat) besitzt
eine osmotische stuhlaufweichende Eigenschaft. Die Präparatbestandteile
werden zu einem vernachlässigbarem Ausmass absorbiert und metabolisiert.
Allerdings kann es bei längerdauernder Anwendung dieses Präparates
zu einer Hypokaliämie kommen. Practo Clyss enthält zwei verschiedene
Natriumphosphate, welche als saline Abführmittel eine abführende
Wirkung ebenfalls infolge des osmotischen Effektes haben. Bei wiederholtem
Gebrauch von Practo Clyss kommt es zur Resorption der in der Lösung
enthaltenen Natrium und Phosphate durch die Schleimhaut des Rektums, mit
dem Risiko einer Hypophosphatämie und Hypokalzämie. Mikro Clist
und Practo Clyss eignen sich deshalb nicht als Dauertherapie und sollten
vor allem als Notfallmassnahmen angesehen werden, wenn andere Behandlungen
versagen. Der grösste Nachteil dieser kleinvolumigen Einläufe
liegt darin, dass sie das Colon nicht vollständig entleeren, wodurch
kurz nach der provozierten Stuhlentleerung bereits wieder Stuhlmassen ins
Rektum gelangen können. Einläufe mit grossen Volumina haben das
Management der Ueberlaufenkoprese und Stuhlinkontinenz entscheidend beeinflusst.
Clistiere, resp. Einläufe sind seit Jahren in der Behandlung der
Obstipation bekannt und werden mit unterschiedlichsten Beigaben appliziert.
Eine Therapiemodalität, die in Zusammenhang mit operierten Analatresien,
d.h. angeborenem Fehlen der Afteröffnung, etabliert wurde, ist das
sogenannte Bowel Management. Das Bowel Management kann vielleicht als "die
Kunst einen effektiven Einlauf zu applizierenä umschrieben werden. Das
Ziel dieses Managements ist eine vollständige Entleerung des Dickdarms
1 x innerhalb von 24 Stunden ohne Schmieren und Beschwerden zwischen diesen
Entleerungen. Die Besonderheit dieses Bowel Managements ist das initiale
Abwägen (Titrieren) der notwendigen Einlaufmenge sowie der Zusätze.
Als Faustregel kann eine Einlaufmenge mit ca. 20 ml/kg Körpergewicht
als physiologische Salzlösung (1 Liter Wasser mit 2 Kaffeelöffel
Kochsalz) angegeben werden. Klinisch kann der Effekt durch Anamnese, eine
Rektaluntersuchung sowie durch die Palpation des Bauches überprüft
werden. Als guter Effekt gelten fehlendes Schmieren, eine leere Ampulle
bei der Rektaluntersuchung und das Fehlen von harten Stuhlknollen (Skybala)
im linken Unterbauch. Die Voraussetzung für ein effizientes Bowel
Management ist jedoch immer eine vollständige Entleerung des gesamten
Dickdarmes. Dies kann nur mittels eines Röntgenbildes (Abdomenübersichtsaufnahme)
überprüft werden, welches zeigt, dass sowohl im rechten wie im
linken Colon und im Quercolon keine Stuhlreste mehr vorhanden sind. Falls
doch noch Stuhlreste vorhanden sind, würden diese nämlich innert
Stunden in den Enddarm weiter befördert, was wiederum zu Schmieren
oder Inkontinenz führen würde. Zur Einleitung dieses Bowel Managements
und Abwägen der Menge und Zusätze ist in der Regel eine 1-2 wöchige
Hospitalisation notwendig. In dieser Zeit kann meistens Art und Menge des
Einlaufes, welcher die Ziele des Bowel Managements erfüllt, eruiert
werden. In der Folge sind in mittelfristigen Abständen Ueberprüfungen
der Effizienz dieses Managements notwendig, auch wenn klinisch der Eindruck
besteht, dass alles in Ordnung ist. Generell kann gesagt werden, dass bei
Patienten, die obstipiert sind und schmieren, der Effekt wahrscheinlich
genügend ist, wenn sie nicht schmieren und keine Skybala palpabel
sind. Rückfälle sind aber auch mit diesem relativ rigorosen Management
möglich. Wie oben erwähnt, ist zu beachten, dass auch das Bowel
Management nicht nur im Sinne einer kurzfristigen Kur oder als intermittierende
Massnahme durchgeführt werden kann, sondern wiederum als kontinuierlicher,
meist eben lebenslanger Prozess angesehen werden muss. Nur nach einer vollständigen
Entleerung des gesamten Colons kann der Patient sicher sein, dass es in
den nächsten Stunden nicht zu unvorhergesehenem Stuhlabgang kommt.
Diese Einläufe können aufsteigend, d.h. retrograd mittels eines
rektal eingeführten Ballonkatheters (siehe Anhang I), oder antegrad,
d.h. absteigend durch ein katheterisierbares Stoma, am Anfang des Dickdarms,
durchgeführt werden. Dieses Stoma kann einerseits durch den sogenannten
Wurmfortsatz (Appendix) - im Sinne eines Mitrofanoff-Stomas wie bei der
Harnblase - angelegt werden oder als Button Enterostomie, wobei diese Stomie
im Coekum liegt. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass man die Stomie
ganz einfach wieder entfernen kann, wenn der Patient damit unzufrieden
ist oder nicht zurechtkommt. Nach der Entfernung einer Button Enterostomie
verschliesst sich das Stoma in der Regel innert wenigen Tagen spontan.
Die Button-Stomie hat praktisch keine Komplikationen und wird deshalb vielfach
den invasiveren Methoden vorgezogen. Dieses Vorgehen ist in der Literatur
als MACE (Malone antegrade continence enema) bekannt. Ebenso wie bei den
retrograden Einläufen müssen auch für die antegraden einmal
täglichen Darmspülungen Spülmenge und Zusätze individuell
eruiert werden, was meist einen kurzfristigen Spitalaufenthalt nach sich
zieht. Das Bowel Management scheint bei Patienten mit chronischer Obstipation
wegen funktionellen Störungen, wie z.B. bei Spina bifida-Patienten
als auch bei Patienten mit anatomischen Hindernissen, zur Zeit die beste
und hilfreichste Massnahme zur langfristigen Lösung des Problems zu
sein. Unter Stuhltraining versteht man eine Stuhlentleerung immer zu denselben
Tageszeiten mit oder ohne Hilfsmittel zu versuchen. Ganz besonders wichtig
ist ein regelmässiger Toilettengang nach den Mahlzeiten ca. 20-30
Minuten nach Ende der Mahlzeit. Damit macht man sich den sogenannten gastrokolischen
Reflex zunutze. Dieser Reflex kommt durch eine Dehnung, resp. Füllung
des Magens zustande und führt zu einer verstärkten Aktivität,
d.h. Peristaltik des Rektums und damit zu Stuhldrang und Defaekation.
Stuhlausräumungen sollten nur in Ausnahmefällen und als ultima
ratio notwendig sein, da dadurch die Passivität des Darmes noch unterstützt
wird.
a) Ursachen:
Es gibt drei prinzipielle Ursachen für die Stuhlinkontinenz.
1. Sphinkterschwäche
2. Fehlende Sensibilität
3. Neurogenes Rektum
Es ist logisch, dass eine Schwäche des Schliessmuskels zu einer
Stuhlinkontinenz führen muss, aber bei Spina bifida-Patienten ist
wahrscheinlich die fehlende Sensibilität des Rektums das Hauptproblem.
Es besteht vielfach eine verminderte oder gar fehlende Sensibilität
nicht nur des Rektums, sondern auch der perianalen Haut und des Beckenbodens.
Damit wird nicht nur die Information des Füllungsgefühls des
Mastdarmes nicht vermittelt, sondern auch die Diskriminierung zwischen
hart, flüssig und gasförmig (siehe oben) ist nicht möglich.
Das neurogene Rektum seinerseits führt - ähnlich wie eine Ueberlaufblase
- zu einer Ueberlaufenkoprese, auch Pseudoinkontinenz genannt. Dies ist
unter dem Kapitel Obstipation näher beleuchtet.
b) Therapiemöglichkeiten:
Grundsätzlich sind fünf Therapieansätze möglich.
1. Diätetische und medikamentöse Massnahmen
2. Pflegerische Massnahmen
3. Muskeltraining
4. Operative Massnahmen
5. Bowel Management
Bezüglich diätetische resp. medikamentöse Massnahmen
ist es wichtig, dass keine abführenden oder die Kontinenz ungünstig
beeinflussenden Nahrungsmittel gegeben werden.
Als Medikament hat sich eigentlich nur Loperamid (Imodium) als effektiv
erwiesen.
Unter den pflegerischen Massnahmen sind bei Stuhlinkontinenz einerseits
Windeln und zweitens die Analtampons zu erwähnen. Im Kleinkindes-
und Säuglingsalter, wenn das Kind Windeln trägt, sind die Probleme
vielfach nicht sehr eminent. Später wird das Windelntragen, unter
anderem auch weil die Defaekation häufig zu Unzeiten und unkontrolliert
erfolgt, zu einem sozialen Problem. In dieser Situation können entweder
Wattestoff- oder Kunststoff-Analtampons hilfreich sein. Wattestoff-Tampons
sind billiger, aber auch härter als die Schaumstoff-Tampons. Letztere
können zudem auch nach Grösse und Form ausgewählt werden.
Sie lassen die Darmgase passieren und können Wasser bis zu 500 mal
ihr Eigengewicht aufnehmen. Die Kunststoff-Analtampons sind relativ teuer,
hingegen sind sie sehr gut verträglich. Sie sind konfektioniert in
konkaver und konvexer Form, spiralförmig, kugelförmig und als
Zylinder erhältlich. Die Analtampons sind vor allem für besondere
Situationen, d.h. Schulbesuch, Pfadilager etc. gedacht. Die Hinweise resp.
Empfehlungen zur Benützung der Analtampons der Herstellerfirma med-SSE
(www.medsse.de, Tel +49-911-790 8806,
Fax +49-911-79 2337, e-mail: info@medsse.de)
sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Tab. 1 Hinweise/Empfehlungen zur Benützung von Analtampons
* Darm vor dem Einführen entleeren.
* Bei der Erstanwendung mit kleinen Grössen beginnen.
* Dorn des Applikators mit Vaseline bestreichen, was ein leichteres
Lösen erlaubt.
* Bei den ersten Applikationen tritt ein Kneifreflex auf, welcher ca.
15-20 Sekunden dauert. In fast allen Fällen tritt dieser Reflex nach
einer Eingewöhnungszeit von ca. 5-6 Wochen nicht mehr auf.
* Die Tampons sollen nach maximal 6-8 Stunden wieder entfernt werden.
Die Entfernung erfolgt durch Herausziehen des Tampons aus dem Analkanal
mittels Rückholfaden, der in den Tampon eingeschweisst ist.
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Neuerdings hat uach die Firma RECAMED (www.recamed.de, Tel 149-911-740 6620, e-mail: service@recamed.de) Analtampons auf den Markt gebracht.
Anwendungshinweise:
Die Analtampons werden nach der Darmentleerung eingesetzt.
Waschen Sie sich die Hände Entfernen Sie die Schutzfolie Weichen
Sie in warmes Wasser ein und drücken Sie den Tampon danach aus
Nach Wunsch bestreichen Sie den Tampon mit Gleitcreme (z.B. Vaseline)
Wickeln Sie den Rückholfaden vom Tampon ab Cremen Sie den Stift des
Einführstabes ebenfalls ein. (Dadurch läßt sich der Tampon
leichter vom Stift lösen)
Setzen Sie auf den Einführstab Führen Sie den Tampon
in den Darm ein und ziehen Sie danach den Einführstab heraus Perfekter
Sitz bis zu 24 Stunden ohne Druckgefühl
Bitte fixieren Sie den Rückholfaden mit einem hautfreundlichen
Pflaster Sie können jederzeit mit dem Rückholfaden während
des Toilettenganges entfernen ist nur für den einmaligen Gebrauch
geeignet und wird im Hausmüll entsorgt
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In einer grösseren amerikanischen Studie zeigte sich, dass mehr
als die Hälfte aller Eltern ein unter Spitalbedingungen etabliertes
erfolgreiches Management innerhalb eines Jahres abgeändert haben.
Gründe dafür waren:
1. Zeitplan für Darmentleerungsprogramm ungelegen, d.h. interferierte
mit dem Tagesablauf der Familie (Schulweg etc.).
2. Zeitlich zu ausgedehntes Programm.
3. Medikamente als nicht nötig abgesetzt, weil diätetische
Massnahmen als ebenso wirksam angesehen wurden.
4. Schmieren/Inkontinenz trat unter dem angewandten Regime zu häufig
auf.
Es ist oft unmöglich, entgleiste Situationen ambulant wieder in ihr Lot zu bringen. Wiederholte Hospitalisationen zur Anpassung resp. Aenderung des therapeutischen Managements sind vielfach notwendig.
Weiterführende Literatur:
AsbH-Ratgeber: Inkontinenz bei Spina bifida - Formen, Diagnostik, Therapien,
Dorttmund, 1995
Shandling B, Chait PG, Forrest Richards H: Percutaneous Cecostomy:
A New Technique in the Management of Fecal Incontinence, J Pediatr Surg
31: 534-537, 1996
Shandling B, Gilmour RF: The enema continence catheter in spina bifida:
Successful bowel management, J Pediatr Surg 22: 271-273, 1987
Pigeon N, Leroi AM, Devreode G et al: Colonic transit time in patients
with myelomeningicele, Neurogastroenterol Motil 9: 63-70, 1997
Ê http://www.kinderchirurgie.ch