Enterostomata
(Arten, Probleme und Pflege)
I. EINLEITUNG
1 1. Verschiedene Arten der Stomata
II. STOMATA UND IHRE VERSORGUNG BEI S€UGLINGEN UND KINDERN
1. Ileostomie
2. Colostomie
3. Prä- und postoperative Massnahmen und die Betreuung der Stomaträger
und deren Angehörige
3.1. Information
3.2. Präoperative Behandlung
3.3. Während der Operation
3.4. Postoperative Behandlung
3.5. Integration und Betreuung der Eltern und des Kindes
III. DIE STOMAPFLEGE
1. Allgemeine Punkte
2. Versorgungsmaterial
3. Die Pflege
4. Tips für zu Hause
5. Auftretende Probleme bei Stomaträgern
5.1. Hautirritation/Hautmazeration
5.2. Pilzinfektion
5.3. Schleimhautveränderungen
5.4. Stomaprolaps
5.5. Stenose
5.6. Verstopfung 1
IV. VERBANDWECHSEL BEI VERSCHIEDENEN SONDEN
1. Gastrostomiesonden
1.1. Die Percutane Endoskopische Gastrostomie-Sonde (P.E.G.)
1.2. "Mic-Key" und "Button" (Hautniveau-Gastrostomie-Artikel)
1.3. Ballonkatheter
2. Jejunalsonde
3. Pflege von gereizter oder offener Haut
V. ADRESSLISTE DER STOMA-BERATUNGSSTELLEN IN DER SCHWEIZ
I. EINLEITUNG
Generell wird von einem künstlichen Darmausgang (früher Anus
Praeter) als Enterostoma gesprochen. Enterostoma bedeutet operative Darmausleitung
irgendwo im Dünndarm oder Dickdarm, zwecks Ausleitung des Darminhaltes.
Je nach Lokalisation spricht man dann von einer Jejunostomie, Ileostomie
oder Colostomie (siehe auch Kapitel II). Leider gibt es nach wie vor Krankheiten
wo es notwendig oder umungänglich ist vorübergehend eine Enterostomie
anzulegen. Glücklicherweise ist es bei Kindern äusserst selten,
dass eine Enterostomie als endgültige Lösung gewählt werden
muss. Patienten mit einem Stoma haben prinzipiell zwei Probleme: a) organisch:
-Verlust von Flüssigkeit, Elektrolyten und Bicarbonat -Stomaprobleme,
z.B. Prolaps, Stenose oder Blutung b) lokale Versorgung: -Plattengrösse
-Lokalisation -Hautprobleme
1. Verschiedene Arten der Stomata
Endständiges, singulär angelegtes Stoma
Doppelläufiges Stoma
Nachteil: Überlaufen von Stuhl des proximalen Stomaschenkels in
den distalen, was vor allem bei Patienten mit Analatresie und einer Fistel
in die Harnwege nicht erwünscht ist.
Vorteil: nur 1 Platte und Sack nötig
Getrennt ("dismembered") angelegtes Stoma
Stomaschenkel durch Hautbrücke von einander getrennt
Nachteil: Je nachdem wie die beiden Stomaschenkel angelegt sind, kann
die gute Versorgung mit Platte und Säckli sehr schwierig werden. Da
die Naht zwischen den Stomaschenkeln vernarbt und dadurch Vertiefungen
un Unebenheiten entstehen, hält die Basisplatte schlechter. Ein zusätzliches
Problem bei kleinen und mageren Kindern sind fehlendes Fettgewebe, viele
Hautfalten und die fettige Hautbeschaffenheit. Zudem muss der distale ausgeschaltete
Darmteil separat versorgt werden, was wiederum bei Neugeborenen, wo die
Hautbrücke zwischen den beiden Stomata klein ist, schwierig sein kann.
Einiges "Pröbeln", um eine befriedigende Lösung für Patient
und Eltern zu finden, ist hier nötig.
Vorteil: kein Überlauf von Stuhl. (Diese Stomavariante eignet
sich für Patienten mit Analatresie und einer Fistel in den Harntrakt.
Eine Kontamination der Harnwege mit Bakterien aus dem Darm wird somit verhindert.)
II. STOMATA UND IHRE VERSORGUNG BEI S€UGLINGEN UND KINDERN
1. Ileostomie
Bei einem Anus Praeter des Ileums wird flüssiger, aggressiver Darminhalt
durch das Stoma entleert. Der Dickdarm ist ausgeschaltet und erfüllt
seine normale Funktion (Ökonomie des Wasser- und Salzhaushaltes) nicht
mehr. Bei der Ileostomie liegt der proximale Schenkel häufig näher
dem Nabel, der distale Schenkel lateral. Da der Patient durch die Ileostomie
viel Flüssigkeit und Elektrolyte verliert, ist eine regelmässige
Urinnatriumkontrolle notwendig. Bei einer renalen Natriumausscheidung unter
10 mmol/L wird eine perorale NaCl-Substitution verordnet. Mit zunehmendem
Wasserverlust über die Ileostomie nimmt auch der Verlust von Eletrolyten
und Bicarbonat zu. Meistens gesellt sich ein sekundärer Kaliummangel
zum Wasser- und Natriummangel, da bei Natriummangel die renale Kaliumausscheidung
gesteigert wird. Mittels Astrup mit Standard Bicarbonat-Bestimmung und
Elektrolytkontrolle im Serum kann festgestellt werden, ob an Stelle von
NaCl oral, Natriumbicabonat und evt. Kalium per os oder i.v. verabreicht
werden muss. (Standard Bicarbonat=HCO3 sollte nicht unter 20 mmol/L sein.)
Grosser Wasserverlust durch das Stoma soll mit mehr Flüssigkeitszufuhr
ersetzt werden (oral oder i.v.). Der ausgeschaltete distale Stomaschenkel
wird 1-2x wöchentlich mit NaCl 0.9% oder Ringerlaktat gespült,
wobei 1x Flagyl zugefügt wird (Anzahl ml Flüssigkeit = Anzahl
mg Flagyl).
Material für eine Darmspülung:
-
Unsterile Handschuhe
-
Magensonde Ch 8, bei grösseren Kindern Ch. 10
-
Ringerlactat oder NaCl 0.9% (Körpertemperatur)
-
Spritze(n), je nach Spülmenge
-
Vaseline
-
Patientenunterlage oder Windeln zum Schutz.
Vorgehen:
-
Das Säckli entfernen.
-
Den Rastring reinigen und den distalen Stomaschenkel eruieren.
-
Die Magensonde mit der Spülflüssigkeit luftleer machen, evt.
Spritze mit Vaseline bestreichen.
-
Sonde vorsichtig und ohne Gewalt in den distalen Stomaschenkel einführen
und mindestens 10 cm vorschieben.
Es kommt auf die Art des Stomas an, wie weit die Sonde eingeschoben werden
darf, kann oder soll. Falls ein Widerstand spürbar wird, die Sonde
vorsichtig vor- und zurückschieben, während man die Spülflüssigkeit
instilliert. Je nach Verordnung muss auch rectal gespült werden. Der
Vorgang ist derselbe, ausser dass die Sonde vorher unbedingt mit Vaseline
gut eingefettet werden muss. Falls nötig muss nach der Spülung
die Platte gewechselt werden.
2. Colostomie
Bei einem Anus Praeter des Dickdarms entleert sich mehr oder weniger geformter
Stuhl durch das Colostoma. Die Gasbildung ist bei Colostomien gross. Auch
hier ist ein Teil des Dickdarmes ausgeschaltet (doppelläufige Stomie).Je
nach Lokalisation (Transversostomie= A.P. des Colon Transversum, Sigmoidostomie=
A.P. des Colon Sigmoideum) ist mehr oder weniger Colon in die Darmpassage
miteinbezogen. Je höher die Colostomie liegt desto grösser ist
die Gefahr einer massiven Flüssigkeitsverlustes und Exsicose (s.o.).
Da auch diese Patienten über ihre Stomie Elektrolyte verlieren, muss
das Urinnatrium regelmässig kontrolliert werden (s.o.). Der ausgeschaltete
distale Stomaschenkel wird wie bei der Ileostomie gespült.
3. Prä- und postoperative Massnahmen und die Betreuung der Stomaträger
und deren Angehörige
3.1. Information
Meist ist ein Stoma für Eltern eines Kindes oder für grössere
Kinder, die ein Stoma benötigen, ein Schock. Aufklärung ist deshalb
sehr wichtig! Dazu gehören:
-
Erklärungen der Krankheit die zum Stoma führen
-
Erklären der Probleme und möglichen Komplikationen eines Stomas
-
Schritte und Zeit die es braucht bis zum Verschluss des Stomas
-
Erklären der Pflege des Stomas
-
Einfluss auf Ernährung, Entwicklung etc.
-
evtl. Platte und Säckli zeigen
-
Broschüre über Stomapflege.
3.2. Präoperative Behandlung
Abführen und Vorbereiten nach Schema falls keine notfallmässige
Operation notwendig ist. Wichtig: Information durch Arzt und Schwester
an Kind und Eltern über die Prozedur.
3.3. Während der Operation
Es wird ein neues einteiliges System direkt im Ops angebracht. Dieses
besteht aus einer Platte mit Sack zum Ableiten des Stuhles. Der Sack hat
ein integriertes "Fenster", welches geöffnet werden kann für
die Stomapflege, die Stomakontrolle und für allfällige Schenkelspülungen.
Platte und Sack bleiben solange dicht (ca. 4 Tage) auf der Haut. Vorteile
sind keine grossen Manipulationen nach der Operation und trotzdem eine
optimale Stomakontrolle, ohne den Sack zu entfernen.
3.4. Postoperative Behandlung
Eine kontinuierliche und genaue Beobachtung des Stomas ist wichtig um
Durchblutungsveränderungen/-störungen frühzeitig zu erkennen.
In der ersten Zeit kann das Stoma ödematös sein und bei Berührung
leicht bluten. Wichtig ist auch die Kontrolle bis zum Einsetzen der Darmtätigkeit.
Evtl. muss eine Darmspülung des proximalen Schenkels gemacht werden,
wenn die Darmtätigkeit nicht von alleine in Gang kommt. Die Stuhlkonsistenz
ist anfangs schleimig, dünnflüssig und zum Teil mit Altblut gemischt.
Der erste Stuhl ist meist aggressiv und stinkend. Die Farbe ist anfangs
dunkelgrün und sollte mit der Zeit eine gelblich-braune Färbung
erhalten. Die Stuhlmenge kann in der ersten Zeit gross sein. Es ist auf
genügend Flüssigkeitsersatz zu achten. Am 4. Tag wird das einteilige
System durch ein zweiteiliges Tandem-System ersetzt. Stuhlmenge und -konsistenz,
Stoma und Hautverhältnisse entscheiden über die Platten- und
Säckliwahl.
3.5. Integration und Betreuung der Eltern und des Kindes
(Es wird im weiteren nur von den Eltern gesprochen, wobei man sich merken
muss das hiermit auch das Kind gemeint ist).
Den Eltern muss die Stomapflege öfters vorgezeigt werden, und sie
sollten erst in der Pflege angeleitet werden, wenn sie dazu bereit sind.
-
Die Darmspülung soll von den Eltern erst übernommen werden, wenn
sie die Stomapflege beherrschen.
-
Vorgehen bei Problemen der Stomata oder der Haut.
-
Adressen der Stomaberatungsstellen und Broschüre über Stomaträger
abgeben.
-
Vor Austritt soll die pflegende Schwester telefonisch Kontakt aufnehmen
mit der zuständigen Stomaberatungsstelle und allfällige Probleme
weiterleiten.
-
Bei Austritt wird vom gebrauchten Stomamaterial eine Schachtel Platten
und eine Schachtel Säckli mitgegeben, sowie die angefangene Paste.
-
Die Eltern sollen so rasch wie möglich einen Termin bei der Stomaberatungsstelle
abmachen, ca. 2 Wochen nach Spitalaustritt.
-
Endgültige Platten- und Säckliwahl wird durch die Stomaberaterin
übernommen, ebenso die Hautkontrolle und die notwendigen spezifischen
Pflegeprodukte.
Eltern erhalten so, ausserhalb des Spitals, kompetente Betreuung und können
sich mit Anliegen und Problemen an eine Expertin wenden. Die Stomaberatung
wird bei Kindern in der Schweiz durch die I.V. bezahlt.
III. DIE STOMAPFLEGE (bei intakter Haut)
1. Allgemeine Punkte
-
Die Basisplatte kann 2-4 Tage belassen werden.
-
Der Beutel sollte aus hygienischen Gründen täglich gewechselt
werden.
-
Bei Undichtheit, hoher Körpertemperatur und brennen oder jucken der
Haut, die Basisplatte häufiger wechseln.
-
Zur Hautpflege nur pH-neutrale Seifen oder Reinigungslotionen verwenden.
Dansaclotion überzieht die Haut mit einem Schutzfilm, deshalb sollte
diese Lotion nicht täglich benützt werden (Basisplatte klebt
schlechter).
-
Badezusätze und Babyseifen sind rückfettend. Sie vermindern die
Haftung der Basisplatte auf der Haut.
-
Niemals Benzin, Aether, Alkohol oder ähnliche Reinigungsmittel gebrauchen.
Sie zerstören den schützenden Fett- und Säuremantel der
Haut und machen die Haut auf die Dauer spröde. Es gibt spezielle Pflasterentfernungslotionen
von der Firma Hollister, es genügt aber auch Wasser.
-
Auf den Gebrauch von Waschlappen verzichten. Diese sind Nährboden
für Bakterien und Pilze. Geeignet sind Baumwollkompressen oder Haushaltpapier,
die nach Gebrauch sofort weggeworfen werden.
-
Nur Pasten und Pulver, die speziell für die Stomapflege geeignet sind
benützen.
-
Kind kann mit Platte und Säckli gebadet werden bevor alles gewechselt
wird.
2. Versorgungsmaterial
Vor dem Wechsel bereitlegen:
-
2 Kompressen mit Wasser und pH-neutraler Seife
-
2 nasse Kompressen
-
mindestens 2 saugfähige trockene Kompressen (zu Hause kann auch extra
saugfähiges, weiches Haushaltspapier verwendet werden)
-
Wattestäbli oder Q-Tips (nass und trocken)
-
Lotion oder Hamameliswasser für evtl. Hautpflege
-
Abdichtungspaste
-
Stomaplatte und Beutel*
-
Fön
-
Handschuhe
-
(Nagel-)Schere und Musterscheibe
-
kleine Abfallsäckli
*von Vorteil ist es, die neue Platte vorzubereiten und den Schutzring genau
nach Stomagrösse auszuschneiden. Dabei sollte die Platte weder zu
eng noch zu gross ausgeschnitten werden. Es darf keine Haut zwischen Stoma
und Platte sichtbar sein. Die Distanz von Lochrand zum Rastring muss mindestens
1 cm sein, sonst muss eine Platte mit grösserem Rastring benutzt werden
.
3. Die Pflege
-
Die alte Platte vorsichtig, ohne starkes Reissen, von oben nach unten entfernen,
dabei mit einer Hand die Klebefläche langsam von der Haut wegziehen
und mit der anderen Hand die Haut von der Platte wegstossen(lösen).
-
Den gebrauchten Beutel in einem gut verschnürten und luftleer gemachten
Abfallsack entsorgen.
-
Mit einer kreisenden Bewegung von aussen nach innen die Haut um das Stoma
mit den Kompressen und der Seife reinigen. Dadurch wird vermieden, dass
Stuhl in das umliegende Hautgebiet gelangen kann.
-
Stomarand mit wassergetränkten Wattestäbli vorsichtig reinigen.
-
Die Seifenreste mit nassen Kompressen entfernen, auch wieder in einer Kreisbewegung
von aussen nach innen.
-
Mit weiteren Kompressen die Haut vorsichtig und sanft abtrocknen (zu heftiges
reiben kann Hautirritationen verursachen).
-
Haut evtl. mit Fön nachtrocknen.
-
Leichte Blutungen der Stomaschleimhaut sind im Rahmen der Reinigung ohne
Bedeutung. Die Ursache ist meist zu starkes Reiben. Falls nötig soll
die Blutungsquelle ca. 2-3 Minuten mit einer nassen, kalten Kompresse komprimiert
werden.
-
Nun die Hautschutzpaste mit einem nassen Wattestäbli vom Rand des
Stomas nach aussen verteilen, bis der gewünschte Bereich abgedeckt
ist. Die Paste muss nicht trocken sein bevor die Platte angebracht werden
kann.
-
Die Platte kurz warm fönen oder zwischen den Händen warm reiben;
dabei das Schutzpapier noch nicht entfernen da sonst die Platte austrocknet.
-
Schutzpapier wegnehmen, die Platte auf die Haut legen und dann mit einem
trockenen Wattestäbli an der Innenseite des Rastringes die Platte
um das Stoma andrücken.
-
Nochmals eine Kontrolle machen ob die Platte das Stoma nicht einengt.
-
Sack anbringen und auf gutes Einrasten achten.
4. Tips für zu Hause
Nie aus dem Hause gehen ohne ein komplettes Versorgungsset mitzunehmen.
Platte und Sack zuvor kontrollieren. Unerwünschten Geruchsbildungen
können entgegengewirkt werden mit Mitteln, die man in den Beutel gibt,
z.B. Assugrin Tabletten oder Bamisch II Deodorant.
5. Auftretende Probleme bei Stomaträgern
Durch konsequentes Pflegen und Beobachten des Stomas und der umliegenden
Haut kann man Komplikationen frühzeitig entgegenwirken.
5.1. Hautirritation/Hautmazeration
Rötungen und nässende Hautläsionen werden verursacht
durch:
-
mechanische Reizung durch Klebematerial
-
allergische Reaktionen auf Klebstoff oder Pflegemittel
-
zu gross ausgeschnittenes Loch in der Basisplatte, aggressiver Stuhl gelangt
auf die Haut.
Wenn Hautdefekte nicht behandelt werden, kommt es zu peristomalen Ulcera.
Vorgehen: Platte öfters wechseln, die Haut um das Stoma sorgfältig
trocknen und vorsorglich um das Stoma Hautschutzpaste auftragen. Ein exakt
ausgeschnittenes Loch verhindert Feuchtigkeits- und Stuhlansammlungen unter
der Platte. Bei bereits offener Haut Adhesivpulver auftragen, mit einem
nassen Wattestäbli andrücken, Ueberreste wegfönen. Dann
die Platte darüber kleben. Hautschutzpasten (Premium) nie direkt auf
offene Läsionen aufgetragen, da diese Alkohol enthalten, und deshalb
brennen. Stomaversogungsmaterial ist latexfrei, das heisst bei Verdacht
auf oder bekannter Allergie ist das Material bedenkenlos zu benützen.
5.2. Pilzinfektion
Durch mangelnde Stomahygiene, aber auch durch geschwächte Abwehr
oder als Folge einer Antibiotika-Therapie kann es zu einer Pilzinfektion
kommen. Diese machen sich durch einzelne punktförmige rote "Pusteln"
bemerkbar, später durch grossflächige Rötung mit lästigem
Juckreiz, Schmerzen und Hautbrennen. Behandlung: die Haut mit Kompressen
gut reinigen und trocknen. Nachher ein flüssiges Antipilzmittel (Pyoktaninlösung)
verwenden, keine Salben. Bei Pilzbefall muss auch das Stomasekret auf Pilzinfektion
untersucht werden. Falls nötig wird ein Antimycoticum per os verordnet.
5.3. Schleimhautveränderungen
Eine Violett- oder gar Schwarzfärbung der Stomaschleimhaut ist
pathologisch.
5.4. Stomaprolaps
Definition: Sobald der Darm 3 cm oder mehr über das Hautniveau
austritt spricht man von einem Prolaps.
Therapie: Reposition. Diese wird je nach Schweregrad allenfalls sofort
eingeleitet.
Es muss sofort gehandelt werden bei Dunkelfärbung und Zeichen
von Durchblutungsstörungen und auch bei einem proximalen Stomaprolaps,
wenn der Darm ödematös und/oder abgeschnürt ist und kein
Stuhl mehr entleert. Eine Darmreposition erfordert Geduld und "Können".
Vorbereitung und Material für Reposition:
-
Handschuhe
-
Kalte nasse Kompressen und diese sofort auf das Stoma legen
-
Fön, evtl. hilft kaltes fönen schon, damit sich der Darm zurückzieht
-
Ballonkatheter und 10 ml Spritze mit NaCl 0.9%.
-
evtl. Kind sedieren, wenn es sich nicht ohne Medikamente beruhigen lässt
-
Material für Plattenwechsel (evtl. eine Grösse grösser als
normal).
Vorgehen:
Oedem des prolabierten Schenkels ausdrücken und reponiert ihn langsam.
Oft ist es hilfreich die Reposition mittels einer Magensonde, die als Schiene
in den prolabierten Darm eingelegt wurde, vorzunehmen. Anschliessend wird
ein Ballonkatheter zur Fixation des Prolaps eingelegt, welcher 4 stündlich
mobilisiert wird. Das heisst, der Ballon wird entleert, der Katheter heraus
genommen, und dann gleich wieder eingeführt mit geänderter Position.
Ballon anschliessend wieder füllen. Hierdurch wird vermieden, dass
Druckstellen im Darm entstehen. Eventuell ist eine operative Fixation nötig.
5.5. Stenose
Eine Stenose ist eine Verengung der Haut bzw. des Darms im Bereich des
Durchtritts durch die Bauchwand. Ursache kann eine Zunahme des Körpergewichts
postoperativ, eine narbig abgeheilte Hautentzündung oder ursprüngliche
Darmläsion (z.B. NEC) sein. Evtl. ist eine Bougierung (Dehnungsbehandlung)
notwendig. Die Stenosierung kann aber so stark sein, dass der Darm den
Stuhl nicht mehr entleeren kann. Es muss dann in der Regel operativ eingegriffen
werden.
5.6. Verstopfung
Der Patient mit einem Ileostoma muss gut auf das Essen achten. Schlecht
gekaute, faserreiche Nahrungsmittel können, vor allem bei relativ
engen Stomata, die Stomaöffnung verlegen und der Stuhlgang kann die
Stomaöffnung nicht passieren. Eine Verstopfung geht gepaart mit dem
Ausbleiben von Stuhlgang, verbunden mit krampfartigen Schmerzen und einem
Meteorismus einher. Eventuell wird eine Darmspülung verordnet. In
der Regel kann die Verstopfung schon nach einem Einlauf behoben werden.
Auf jeden Fall müssen Stuhlmenge und -Konsistenz und das Abdomen weiter
beobachtet werden, bis sich die Situation wieder normalisiert hat. Für
alle Stomaträger gilt, dass sie ausprobieren müssen, welche Nahrung
sie gut verdauen und die wenig Blähungen verursacht. Evtl. kann eine
Ernährungsberaterin zu Rat gezogen werden. Wichtig für alle ist
gutes Kauen.
1. Gastrostomiesonden
1.1. Die Percutane Endoskopische Gastrostomie-Sonde (P.E.G.)
Die P.E.G.-Sonde wird in Narkose endoskopisch und durch einen kleinen
Bauchdeckenschnitt in den Magen implantiert. Prophylaktisch wird während
5 Tagen Bactrim und Flagyl verabreicht. 1. Dosis am Abend vor dem Eingriff.
Über die P.E.G.-Sonde darf bereits 6 Stunden nach Implantation klare
Flüssigkeit verabreicht werden, Sondennahrung erst nach 24 Stunden
(je nach verträglichkeit, kann auch mit verdünnter Sondenkost
begonnen werden). Wichtig: Nach jeder Mahlzeit oder Medikamentengabe, die
Sonde mit mindestens 10 ml Tee oder Wasser gut durchspülen um eine
Verstopfung zu verhindern. Auch wenn die Sonde nicht gebraucht wird, mindestens
1 Mal täglich die Sonde mit Tee oder Wasser spülen. Die Pflege
der P.E.G.-Sonde: In der erste Woche wird die Einstichstelle täglich
mit Betadine desinfiziert und ein eingeschnittenes Telfa unter das Plättli
gelegt. Dann 1 Mal pro Woche oder je nach Haut-/Wundverhältnissen
öfters. Bei Rötung und Entzündungszeichen muss sofort der
Arzt konsultiert werden.
1.2. "Mic-Key" und "Button"
Nach frühstens 3 Monaten kann die P.E.G.-Sonde durch einen "Mic-Key"
oder einen "Button" ersetzt werden. Der Chirurg wird mittels eines speziellen
Messgeräts die Grösse (Charriere) und Länge des "Buttons"
festlegen.
Reinigung der Haut rund um die Sonde in der 1. Woche täglich mit
Kodan. Ab der 2. Woche wird die Haut 1-2x pro Woche mit einem weichen Tuch
(Kompresse) und lauwarmem Wasser gereinigt (keine Seife verwenden!). Kinder,
welche schon längere Zeit einen "Mic Key" tragen, und deren Haut intakt
ist, dürfen ohne weiteres ein kurzes Bad oder eine Dusche nehmen.
Die Haut um und unter dem "Mic Key" sollte danach sorgfältig getrocknet
werden. Im Prinzip muss nichts unter die "Mic Key"-Platte gelegt werden;
im Gegenteil, es ist sogar besser wenn keine Polsterung etc. darunter liegt,
weil der Abstand zwischen Haut und Platte sehr klein ist. Wird die Haut
mit Tupfern oder Coloplast versorgt, ist die Gefahr der Ausdehnung des
Gastrostomielochs und gastralen Drucknekrosen durch zu starken Zug auf
den "MicKey" erhöht. Bei gereizter Haut oder Excoriationen (offene
Haut) nur Coloplast oder ein eingeschnittenes Telfa verwenden, keine Tupfer
(wegen Fadenresten)!!!
1.3. Ballonkatheter
Bei Säuglingen wird noch oft ein Ballonkatheter als Gastrostomie
verwendet (der "Mic Key" eignet sich wegen seiner Grösse nicht für
Säuglinge). Pflege der Haut um den Ballonkatheter in der 1. Woche
mit Kodan, ab der 2. Woche wird die Haut mit Wasser ohne Seife gereinigt.
Es kann auch Dansac Skinlotion für die Hautpflege verwendet werden.
Um zu vermeiden, dass das Gastrostomieloch ausgedehnt wird oder die Sonde
in den Magen hineinrutscht und den Pylor verstopft, muss der Katheter auf
zwei Seiten gepolstert und unter ganz leichtem Zug gut fixiert werden.
Die Sonde muss senkrecht aus dem Loch geführt werden! An Stelle von
Tupfer rechts und links der Sonde können auch eingeschnittene Vlieskompressen
verwendet werden (Vorteil: keine Fadenresten, da Vlieskompressen nicht
gewoben sind). 2 Vlieskompressen halbieren, falten, übereinander legen
und einschneiden. So ergeben sie ein gutes Polster.
2. Jejunalsonde
Die Jejunalsonde ist eine sehr dünne Sonde, die entweder unter Röntgenkontrolle
nasal oder operativ abdominell direkt in den Dünndarm eingelegt wird.
Durch diese Sonde darf nur kontinuierlich und nicht bolusweise Nahrung
gegeben werden. Es darf auch keine andere Milch als Alfaré oder
Pregomin verwendet werden. Die Hautpflege und die Fixierung der abdominell
eingelegten Jejunalsonde entspricht dem Ballonkatheter (siehe Punkt 1.3.).
3. Pflege von gereizter oder offener Haut
Gereizte oder gar offene Hautläsionen um die Gastrostomie oder Jejunalsondeneintrittsstelle
entstehen durch Überempfindlichkeit auf Pflaster oder wenn agressiver
Verdauungssaft neben der Sonde heraustritt und die Haut angreifft. Dies
entsteht meist wenn das Loch, durch unsachgemässes Fixieren oder Verbinden
der Sonde, ausgeweitet wurde. Auch eine chronische Reizung durch die Sonde
kann das Loch ausdehnen und die Haut rundherum rot und entzündet erscheinen
lassen. Behandlung: Die Haut sorgfältig mit lauwarmem Wasser reinigen
und gut trocknen. Bei gereizter Haut kann Coloplast als Hautschutz verwendet
werden. Die Pflaster sollten nur auf dem Colopast geklebt werden.
Die offene Haut um die Sonde wird mit Merbromin behandelt, dicht um
die Sonde wird das ev. ausgedehnte Loch mit Stomahesive Hautschutzpaste
abgedichtet. Darüber klebt man Coloplast als Hautschutz. Kontrolle:
das Coloplast muss überall direkt und fest auf der Haut kleben, damit
sich kein Sekret zwischen Haut und Platte sammeln kann. Anschliessend wird
die Sonde rechts und links gut mit Tupfern oder mit Vlieskompressen gepolstert
(Tupfer nicht einschneiden), so dass die Sonde senkrecht aus dem Loch herausgeführt
wird und dann mit Pflaster fixiert.
V. ADRESSLISTE DER STOMA-BERATUNGSSTELLEN IN DER SCHWEIZ
-
Aargauische Stomaberatung Frau Susi Keusen Frau Hanni Ammann Stomasprechstunde
Kantonsspital 5000 Aarau Tel. 064 / 21 45 61 064 / 21 41 41
-
Basel Stomaberatung Frau Ursula Wyss Frau Gudrun Siedler Kantonsspital
4031 Basel Tel. 061/ 265 25 25 061/ 265 74 76
-
Bern Stomaberatungsstelle Frau R. Roth-Rüfenacht Inselspital 3010
Bern Tel. 031/ 64 36 62 031/ 64 26 23
-
Biel Stomaberatungsstelle Frau Evelyne Mast Regionalspital Im Vogelsang
84 2500 Biel Tel. 032/ 24 24 24 intern 835
-
Brig Walliser Krebsliga Frau Rosa Federer Spitalstrasse 5 3900 Brig Tel.
028/ 23 40 40
-
Chur Stomaberatung Frau Marjen Zuidewind Kantonsspital Loestrasse 170 7000
Chur Tel. 081/ 26 61 11
-
Fribourg Mme. Hilde Geerkens Infirmière-chef. Chirurgie Hôpital
cantonal 1700 Fribourg Tel. 037/ 82 21 21
-
Genève Herr Laurence Lataillade Centre de Stomathérapie Hôpital
cantonal universitaire 24, rue Micheli-du-Crest 1211 Genève 4 Tel.
022/ 22 70 41 022/ 46 92 11 Bip 022/ 22 42 27
-
Glarus Frau Elisabeth Bosshard Stomaberatungsstelle Kantonsspital 8750
Glarus Tel. 058/ 63 33 33
-
Jura Mme. Brigitte Achermann Soins Domicile Rue de l'Abbe Monin 13 2854
Bassecourt Tel 066/ 56 57 71
-
Lausanne Centre de Stomathérapie Mlle. Judith Weller Mlle. Thelma
Heppell Consultation de Chirurgie CHUV 1011 Lausanne Tel. 021/ 314 41 51
-
Luzern Stomaberatung Herr Hans Wyss Kantonsspital 6000 Luzern 16 Tel. 041/
25 44 65 041/ 25 11 25
-
Neuchâtel Centre de Stomathérapie Mme. Francine Fellrath Mme.
Françoise Schreyer Case Postale 22 Rue Fleury 22 2006 Neuchâtel
Tel. 038/ 24 38 34
-
Schaffhausen Anmeldung und Terminabsprache mit Beratungsstelle Zürich
Tel. 01/ 361 36 58
-
Sion Ligue valaisanne contre le cancer Mme. Joëlle Vuignier Avenue
de Midi 10 1950 Sion Tel. 027/ 22 99 71
-
St. Gallen Stomaberatungsstelle Frau Therese Cetin Kantonsspital 9001 St.
Gallen Tel. 071/ 26 11 11 St. Gallen Krebsliga Frau Annemarie Stark Frau
Trudi Müller
-
Thurgau Stomaberatung Thurgauische Krebsliga Frau Rosemarie Grob Frau Elisabeth
Oehler Rathausstrasse 30 8570 Weinfelden Tel. 072/ 22 61 11
-
Ticino Bellinzona Stomaterapia Sig.ra Trudi Battilana Ospedale San Giovanni
6500 Bellinzona Tel. 092/ 25 03 33 interno 8208 oppure S.M.S. Lega ticinese
contro il cancro Via L. Colombi 1 6500 Bellinzona Tel. 092/ 26 35 25
-
Winterthur Stomaberatungsstelle Frau Christina Guidese Kantonsspital 8401
Winterthur Tel. 052/ 266 21 21
-
Zürich Enterostomie-Beratungsstelle Frau Rosina Landolt Frau K. Röthlisberger
Tièchestrasse 55 8037 Zürich Tel. 01/ 361 36 58
VI. ADRESSLISTE DER STOMA-BERATUNGSSTELLEN IN DEUSCHLAND
VII. ADRESSLISTE DER STOMA-BERATUNGSSTELLEN IN OESTERREICH
http://www.kinderchirurgie.ch