Inzidenz: 1 : 5000 - 8000 Lebendgeburten
Erhöhte familiäre Inzidenz bei M. Hirschsprung mit langem Segment
Assoziiert mit anderen kongenitalen Fehlbildungen
Bei einer Aganglionose besteht eine pathologische Situation mit Fehlen der Ganglienzellen des Plexus myentericus zwischen Ring-und Längsmuskulatur, hingegen hypertrohen Nervenbündel in den parasympathischen Fasern in der Lamina propria mucosae und in der Muscularis mucosae von Rectum und distalem Colon, was sich mit einer gesteigerten Ach-Aktivität in der histochemischen Untersuchung äussert (sihe Fig 2).
Fig 3: Rectumschleimhautsaugbiopsie, SDH-Färbung (Ganglienzellenfärbung): normaler Befund mit Ganglienzellen in Tunica submucosa
Fig 4: Rectumschleimhautsaugbiopsie, SDH-Färbung (Ganglienzellenfärbung) : Aganglionose (M. Hirschsprung)
Synchrone Entladungen des Parasympathikus aus dem Rückenmark führen zu einer vermehrten Ach- Ausschüttung, bedingt durch den Mangel an Ganglienzellen im Plexus myentericus. Dies führt zu einer Dauerstimulation der Ringmuskulatur mit nachfolgendem Dauerspasmus des aganglionären Segmentes und so zu einem dilatierten Colonabschnitt (Megacolon) im Sinne einer Dekompensation vor dem aganglionären Segment.
-Neugeborene
-Säuglinge / Kleinkinder
Heute nimmt man an, dass eine pathologische Zusammensetzung des Colonschleimes
in Bezug auf Immunoglobuline mit folglich ungenügender Immunabwehr das
Auftreten einer Enterocolitis begünstigt.
Dies könnte erklären, warum eine Enterocolitis initial, nach Anlegen
einer Transversostomie oder gar nach erfolgreicher Durchzugsoperation auftreten
kann.
Fig. 5
Bei einer Aganglionose findet kein Druckabfall statt oder es kommt sogar zu einer paradoxen Druckerhöhung (siehe Fig. 6). Eine normale Antwort schliesst M.Hirschsprung mit rel. hoher Sicherheit aus.
Fig. 6
Fig. 7: Colonkontrasteinlauf: Kalibersprung im Rectosigmabereich, distal aganglionäre Zone
Aufgrund der zusätzlichen sakralen parasympathischen Innervation von Rektum und Sigma, kann die Diagnose "Aganglionose" mittels Rectumschleimhautsaugbiopsien gemacht werden. Es bedarf dazu (1) das Fehlen der Ganglienzellen im Plexus submucosus (Meissner) und (2) eine massiv gesteigerte Aktivität der Acetylcholinesterase der Mucosa.
Fig. 8: Schematische Darstellung einer Schleimhautsaugbiopsie. Das Biopsiematerial
umfasst die Tunica mucosa mit gesteigerter Ach-Aktivität in der Immunhistochemie
sowie die Tunica submucosa mit fehlenden Ganglienzellen in der LDH- oder SDH-
(=Ganglienzellen-)färbung.Nota bene: die Tunica muscularis ist nicht
erfasst!
Bei Biopsien aus dem Stoma aus dem Querkolon ist die Histochemie aufgrund der fehlenden Zusatzinnervation nicht aussagekräftig. Hier muss die Ganglienzellzahl anhand von sog. "full thickness"-Biopsien bestimmt werden.
2) Submucöse Sphincterektomie
Die Unterschung eines Sphincterstreifens lässt eine 100%ige Aussage über Vorhandensein oder Fehlen der Ganglienzellen im Plexus myentericus (Auerbach) zu.
3) Sogenannt "offene Biopsien"
Vorteil: Lokalisation der Höhe der Aganglionose vor der Durchzugsoperation bekannt. Nachteil: Laparatomie notwendig, Verwachsungen.
Fig. 9: Aganglionose (M. Hirschsprung) : intraoperativer Befund ![]()
-übrige Formen: Durchzugsoperation
Postoperative Komplikationen:
Genetik des Morbus Hirschsprung

Referenz: Paratore C et al , Sox10 Haploinsufficiency Affects Maintenance
of Progenitor Cells in a Mouse Model of Hirschsprung Disease, Human Molecular
Genetics 11: 3075-3085, 2002
Die Prognose ist gut, obwohl einige Patienten - egal nach welcher Durchzugsmethode
sie operiert worden waren - auch postoperativ noch eine thrapiebedürftige
Obstipation aufweisen können.
http://www.kinderchirurgie.ch