Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) 

  • Epidemiologie und Pathogenese
  • Epidemiologisch ist interessant, dass 25% aller neu entdeckten Fälle entzündlicher Darmerkrankungen bei Patienten auftreten, die jünger als 20 Jahre alt sind.
    Die Pathogenese dieser Krankheiten ist nach wie vor nicht klar. Die Suche nach genetischen Markern hat gezeigt, dass eine Assoziation der entzündlichen Darmkrankheiten mit Klasse II Allelen des HLA Komplexes von Chromosom 6 besteht, nämlich der Colitis ulcerosa mit HLA-DR2 und Morbus Crohn mit HLA-DR1, DQ5. Neuste Untersuchungen zeigen aber, dass es wahrscheinlich ist, dass das Immunsystem der Darmmukosa gegenüber normalen intraluminalen Stimuli abnormal reagiert.
    Bei den meisten Patienten äussern sich die Krankheiten mit leicht blutiger Diarrhoe und Bauchschmerzen, die häufig schwierig von einer Gastroenteritis zu unterscheiden sind. Bei Patienten mit einem Morbus Crohn mit Befall des Dünndarms äussert sich die Krankheit vielfach mit einer Malabsorption, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Wachstumsretardierung, Gewichtsverlust und Anorexie.
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  • Diagnose
  • Die Diagnose Morbus Crohn resp. Colitis ulcerosa basiert auf klinischer Symptomatik, Laboruntersuchung, endoskopischen Befunden, Histologie, der Mukosa und radiologischen Befunden sowie dem Ausschluss anderer Ursachen. Eine extensive Colonoskopie ist bei Patienten mit schwerer Colitis, wegen dem Risiko einer Perforation oder Blutung, kontraindiziert. Die primäre Rolle der Radiologie ist die Evaluation eines Befalles des Dünndarmes.
    25-35 % aller Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung haben mindestens eine extraintestinale Manifestation. Diese kann vor Beginn der
    gastrointestinalen Symptome, während der Erkrankung oder sogar nach einer Colektomie wegen Colitis ulcerosa auftreten.Auch die Colitis ulcerosa kann sich mit extraintestinalen Symptomen manifestieren, dies ist jedoch bei Morbus Crohn wesentlich häufiger. Extraintestinale Manifestationen umfassen einerseits Hautmanifestationen, nämlich Erythema nodosum und Pyoderma gangränosum sowie Gelenksentzündungen. Letztere befallen ca. 10% aller Patienten und treten vor allem als Arthritiden der Knie, Sprunggelenke, Hüften, Handgelenke, Ellbogen und Interphalangealgelenke auf. Andererseits können ophthalmologische Manifestationen mit einer breiten Palette mit Episcleritis, Uveitis, Randkeratitis, Conjunctivitis, Scleritis, ein Orbitapseudotumor, Neuritis des Nervus opticus sowie ischämische Neuropathie des Opticus und Vasculitis der Retina vorkommen. Des Weiteren sind zahlreiche Befunde an Leber und Gallenwegen beschrieben worden. Diese umfassen Cholangitiden, chronisch aktive Hepatitis, Zirrhose, Gallengangskarzinome, Amyloidose, Leberabszess und Cholelithiasis. Die primäre sklerosierende Cholangitis ist wahrscheinlich die häufigste hepatobiliäre Komplikation der entzündlichen
    Darmerkrankungen. Die Cholelithiasis tritt häufig bei Patienten mit einem Morbus Crohn mit Befall des terminalen Ileums auf oder bei Patienten, bei denen eine Resektion des Ileums vorgenommen werden musste. Unter den renalen Komplikationen ist die Nephrolithiasis relativ häufig. Weitere extraintestinale Manifestationen sind Pankreatitis, fibrosierende Alveolitis, die interstitielle Pneumonitis, Perikarditis und periphere Neuropathien.
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  • Therapie
  • Corticosteroide sollen nur zur Induktion einer Remission eingesetzt werden, da sie bei chronischer Anwendung keinerlei Effekt haben. Sulfasalzin ist nur bei Befall des Colons effektiv und Metronidazol hat einen günstigen Einfluss bei akutem Morbus Crohn, speziell bei perianalem Befall.
    Da die Colitis ulcerosa auf das Colon beschränkt ist, ist natürlich eine Colektomie kurativ. Es sind verschiedene anorektale Durchzugsverfahren beschrieben. Etwa 15% aller Patienten leiden postop. an einer sog. ³Pouchitisã. Indikationen zur Colektomie sind eine unbehandelbare Krankheit , eine therapierefraktäre Wachstumsstörung, ein toxisches Megacolon, Hämorrhagie, eine Perforation sowie Prophylaxe hinsichtlich maligner Entartung.
    Da der Morbus Crohn eine Krankheit ist, die den Patienten lebenslang begleitet, soll immer Risiko und Vorteil einer chirurgischen Intervention sorgfältig abgewogen werden. 50-70% aller Kinder mit einem Morbus Crohn mussten sich innerhalb von 10-15 Jahren nach Diagnosestellung einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Die Indikationen in diesen Fällen sind meist Versagen der medikamentösen Therapie, eine intestinale Obstruktion, gastrointestinale Blutung, Perforation, Fistulierung, Wachstumsverzögerung, ein Karzinom oder eine obstruktive Uropathie.



    Ê http://www.kinderchirurgie.ch