In einer Serie von 178 Patienten mit kongenitalen Anomalien des Anus und Rectums fand Wilkinson (5) eine Analstenose in 8%. Büttiker (2) fand eine Analstenose nur in 1,4% bei einem Neugeborenenkollektiv mit einem Geburtsgewicht von > 2500g.
Klinik: im Gegensatz zu einer tiefen Analatresie mit Fistel - bei der Säuglinge insbesondere unter Muttermilch gel. regelrechten Stuhlgang haben - findet sich ein fomeller Anus mit einer sichtbaren Linea dentata wenn man die Gesässbacken spreizt.
CAVE: Eine tiefe anlaatresie mit cutaner, perinealer Fistel wird oft als Analstenose verkannt.
Eine Untersuchung ist nur sinnvoll, wenn Defäkationsprobleme auftreten.
Die standardisierte Diagnose ist die Kalibrierung des Anus mittels Hegarstiften, wobei die Kalibrierung soweit geht, bis die Analfalten so verstrichen sind, dass die Umgebung gerade weisslich verfärbt wird.
Wegen der grossen Unterschiede im Durchmesser des kleinen Fingers ist die Diagnose mittels digitaler Untersuchung unzureichend und daher unzulässig.
Es besteht eine klare Beziehung zwischen Gewichtsgruppen und Analdurchmesser hingegen gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Der Analdurchmesser lässt sich mit folgender Formel definieren:Analdurchmesser (mm) = 7 + (1,3 x Gewicht in kg)
Das Kaliber des Anus beim Neugeborenen ist in Tabelle 1 aufgeführt.
Tab. 1 Gewichtsklassen und Analdurchmesser (nach El Haddad (3)
Gewicht (kg) Analdurchmesser (mm) 1.0 - 1.5 8.6 1.5 - 2.0 9.1 2.0 - 2.5 9.7 2.5 - 3.0 10.4 3.0 - 3.5 11.1 3.5 - 4.0 12 4.0 - 4.5 12.8 Als Faustregel gilt, dass bei einem Neugeborenen mit mit einem Geburtsgewicht über 2500 g und einem Analdurchmesser kleiner als Hegar 10 eine Analstenose vorliegt.
Tab. 2 Bougierungsschema bei Analstenose (nach Pena (4))
| Hegargrösse | Bougierungsfrequenz |
| Hegar, welcher dem Kaliber des Anus entspricht (s.o.) | 2 x tgl. |
| wöchentlich steigern um eine Hegar-Nummer, bis die dem Gewicht entsprechende Grösse erreicht ist * | 2 x tgl. |
| 1 Monat | 1 x tgl. |
| 1 Monat | 2 x pro Woche |
| 1 Monat | 1 x pro Woche |
| 3 Monate | 1 x pro Monat |
Falls eine Reduktion der Bougierungsfrequenz dazu führt, dass die Dilatationen schwieriger auszuführen sind, soll eine Stufe zurückgegangen werden.
Falls die Bougierungsbehandlung nicht möglich oder wegen schlechter
Compliance nicht erfolgreich ist, ist eine chirurgische Intervention notwendig.
Die einfachste Methode ist die Y-V-Plastik. Dabei wird ein basal gestielter
Haut/Subcutis-Lappen der Perianalregion ins Anorectum eingeschlagen. Dadurch,
dass der Lappen an seiner Basis mit der regionalen Haut verbunden bleibt,
ist der Lappen aber unter einem Zug nach aussen, was oft zu einer Restenosierung
führen kann. Aus diesem Grunde haben Anderson et al. (1) vorgeschlagen,
Rezidive einer Stenose mittels bilateraler, rhomboider Verschiebelappenplastik
zu korrigieren. Es handelt sich dabei um eine wesentlich kompliziertere Methode
als bei der Y-V-Plastik und sie sollte daher nicht als primärer Eingriff
gewählt werden. Dafür muss postoperativ weniger lang bougiert werden
und die Dehnbarkeit des Neoanus ist besser als bei anderen Operationen. Wichtig
ist in jedem Fall, dass der Narbenring der Stenose genügend tief und
genügend weit durchtrennt wird.
2. Büttiker V: Analdurchmesser und Anusposition: Untersuchung an 157 Neugeborenen zur Ermittlung der Normwerte, Inaugural-Disseration, Zürich, 1994
3. El Haddad M, Corkery JJ: The anus in the Newborn, Pediatr 76: 927-928, 1985
4. Pena A: Atlas of Surgical Management of Anorectal Malformations, Springer, New York, 1990
5. Wilkinson AW: Congenital anomalies for anus and rectum, Arch Dis Child 47: 960-969, 1972
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