
Inline-Skating-Verletzungen im Kindes- und Jugendalter
Etwa 75% der Inline-Skater erleiden irgendwann einen Unfall, der eine
Behandlung nach sich zieht. In einer prospektiven Studie am Universitätsklinikum
Lübeck wurden im Beobachtungszeitraum von Januar 1997 bis Dezember
1999 200 Kinder im Alter von 5-16 Jahren erfasst. Bei den ambulant behandelten
Patienten dominierten Verletzungen und Knochenbrüche (Frakturen) der
Arme, während die Indikationen zur stationären Behandlung zumeist
schwer dislozierte Frakturen der Speiche oder des Vorderarmes sowie Schädelhirntrauma
waren. Die Befragung der Patienten ergab, dass nur 20% Handgelenksschützer,
28% Ellenbogengelenksschützer, 30% Helme und 45% aller Patienten Kniegelenksschützer
getragen haben. Erstaunlicherweise zeigte sich eine Zunahme der Inline-Skaters,
die keine Protektoren benutzten von 42% anfangs 1997 auf 66% im Jahre 1999.
Die nachstehende Tabelle zeigt eindeutig, dass die meisten Verletzungen
bei Skatern vorkommen, die keine Protektoren getragen haben.
|
n |
davon ohne Protektoren |
| Kniegelenkstrauma |
8 |
7 |
| Ellenbogengelenksfraktur |
3 |
3 |
| Fraktur distaler Radius/Vorderarm |
78 |
74 |
| Schädelhinrtrauma |
7 |
6 |
Charakteristisch für das hohe Risiko und die hohe Verletzungsgefahr
sind folgende Aspekte des Inline-Skatens:
- Die Anordnung der Räder erlaubt sehr hohe Geschwindigkeit, vor
allem bergab.
- Durch den Mechanismus des Abbremsens dominieren Stürze nach vorne
auf die ausgestreckten Arme, sodass Verletzungen bevorzugt an den oberen
Extremitäten auftreten.
- Die Verletzungen treten gehäuft bei Ungeübten auf.
- Viele Verletzungen liessen sich durch das Tragen einer adäquaten
Schutzausrüstung vermeiden.
Die Studie zeigt ganz klar, dass im Zusammenhang mit dem Inline-Skaten
Schutzausrüstungen zu selten getragen werden. Als Gründe für
die fehlende Schutzausrüstung wurde angegeben, dass diese nicht erforderlich
sei (47,3%), dass sie unbequem (37,5%) oder zu teuer sei (15,9%) bzw. unvorteilhaft
aussehe.
Die Autoren dieser Studie kommen zum Schluss, dass eine Reihe von Massnahmen
notwendig ist, um die Gefährlichkeit des Inline-Skating zu reduzieren:
- Verwendet werden sollen nur qualitativ hochwertige Modelle, die auf
das Fahrverhalten abgestimmt und adäquat gepflegt resp. gewartet sein
müssen.
- Beim Kauf sollte im Rahmen einer fachgerechten Beratung ausreichend
über Risiken und notwendige Verhaltensweisen informiert werden.
- Vor Beginn des Fahren sollte eine Instruktion über Bremstechnik
erfolgen und der kontrollierte Sturz erlernt werden.
- Vor dem Fahren sollte der Körper wie bei anderen Sportarten auch
gedehnt und aufgewärmt werden.
- Eine Verwendung von Protektoren inkl. Helm ist absolut unablässig.
Leider gibt es für die entsprechenden Protektoren bisher keine Qualitätsprüfung.
In Extremsituationen, wie z.B. dem "downhill" skaten, können jedoch
weder die besten Bremstechniken noch die besten Schützer vor Kollisionen
und Verletzungen schützen.
Ref: Kaiser MM, Barthel M, Outzen S et al: Inline-Skating-verletzungen im Kindes-
und Jugendalter, Zentralbl Kinderchir 10:96-100, 2001