Zu enger Gaumen als Ursache für eine Enuresis nocturna

Seit einiger Zeit bereits wird ein Zusammenhang zwischen Adenoid- und/oder Toinsillenhypertrophie und dem nächtlichen Einnässen (Enuresis nocturna) postuliert, weil bei vielen Kindern mit Schalf-apnoe-Syndrom die Enuresis nach einer Tonsillektomie verschwindet und zwar bei vielen Patienten praktisch „über Nacht“ und bei weiteren 50% in einem Zeitraum von 6 Monaten. Nur bei ca. einem Viertel aller Fälle bleibt das Bettnässen nach einer Mandeloperation unbeeinflusst. Es gibt mehrere Erklärungsversuche. Zum einen soll durch die im Sinne eines Schlaf-Apnoe-Syndroms obstruierte Atmung der intraabdominelle Druck erhöht und so eine Stimulation der Blasenentleerung provoziert werden. Weiter könnte die durch eine behinderte Atmung zu tiefe Oxygenierung des Blutes die Hormonwerte beeinflussen, welche die Urinproduktion steuern, so z.B. das antidiuretische Hormon (ADH).
Dass auch ein zu enger Gaumen die Ursache für eine Enuresis nocturna sei, meint Derek Mahoney, Kieferorthopäde am Prince of Wales Spital in Sydney. Er hat bemerkt, dass 8 von 10 Kinder, die wegen einer Enuresis zur Behandlung kamen, einen zu engen Gaumen aufwiesen. Dadurch ist der Mund zu klein und die Zunge wird nach hinten geschoben, was während des Schlafes zu einer partiellen Blockierung der Atmung führen kann. Mahoney verpasst diesen Kindern eine orthodontische Zahnspange zu Verbreiterung des Gaumens und plant eine entsprechende prospektive Studie. Aerzte sollen Kinder, die wegen einer Enuresis zur Behandlung kommen, fragen wie sie schlafen und ob sie schnarchen. Eine behinderte Atmung kann nämlich nicht nur die Ursache einer Enuresis sein, sondern auch zu Schulproblemen, Kopfschmerzen und Hyperaktivität führen.

New Scientist 2.8.03