Fall der Woche 4/99

Diagnose:

Mesenterialcyste

Fortbildung:

Mesenterialcyste

Mesenterialcysten sind sehr seltene intraabdominal gelegene benigne, cystische Tumoren. Histologisch handelt es sich in den allermeisten Fällen um ein cystisches Lymphangiom, im Sinne einer singulären Cyste, was meistens der Fall ist (79%) oder eines multilokulären cystischen Tumors (7%) (1). Die Cysten liegen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle im Mesenterium entweder des Dünndarmes oder des Colons, selten auch im Ligamentum gastrocolicum oder im Omentum (1,2). Unter den 19 Patienten von Senocak et al (2) fand sich in 75% der Fälle eine mesenteriale Cyste und in 26% eine omentale Cyste. In vielen Fällen verlaufen die Mesenterialcysten klinisch unauffällig ausser wenn Komplikationen auftreten. Vielfach ist das erste Symptom eine tumoröse Vorwölbung des Abdomens als Zufallsbefund. Komplikationen sind in der Regel eine Einblutung in eine oder mehrere Cysten was nachfolgend zu diffusen, uncharakteristischen dumpfen Bauchschmerzen führen kann (5). Zu dieser Komplikation kommt es vielfach nach einem Bagatelltrauma wie harmloser Schlag auf den Bauch oder Sturz auf einen Gegenstand. Aeusserst selten kommt es zu einer Ruptur der Cysten und noch seltener führen die vielfach Apfelsinen- bis Pampelmusen grossen Cysten zu einer intestinalen Obstruktion mit kolikartige Bauchschmerzen oder gar Erbrechen, d.h. mit einer Ileussymptomatik. Das häufigste Symptom ist eine abdominale Auftreibung, gefolgt von Schmerzen, Erbrechen sowie Schmerzen und tumoröse Vorwölbung des Abdomens (1,2). In der Serie von 15 Patienten von Chung et al (2) lag das durchschnittliche Alter bei Diagnosenstellung bei 6 Jahren. Es gibt keine geschlechtsspezifische Verteilung. In meisten Fällen werden die Patienten unter der Verdachtsdiagnose einer Appendizitis eingewiesen. Sowohl eine Ultraschalluntersuchung wie auch ein CT des Abdomen liefert die Diagnose akkurat. Die Therapie besteht in der vollständigen Resektion der Mesenterialcysten. Dies ist in ca. 2/3 der Fälle ohne Darmresektion möglich. In etwa 1/3 aller Patienten ist eine Segmentresektion des betroffenen Darmabschnittes notwendig (1,3,4). In einem Fall von Senocak et al (2) war sogar eine partielle Gastrektomie notwendig.  In allen Fällen wo die Cyste nur punktiert oder lediglich drainiert wurde, kam es zu einem Rezidiv. Mittlerweile sind einige Berichte erschienen über eine laparaskopische Resektion von Mesenterialcysten (6,7). Langzeitnachkontrollen sind wegen der Gefahr eines Rezidivs angezeigt.

Literatur:
1. Egozi EI, Ricketts RR: Mesenteric and omental cysts in children. Am Surg 63: 287-290, 1997
2. Senocak ME, Gundogu H, Buyukpamukcu N et al : Mesenteric and omental cysts in children. Analysis of ninteen cases, Turk J Pediatr 36: 295-302, 1994
3. Chung MA, Brandt ML, St-Vil D et al : Mesenteric cysts in children, J Pediatr Surg 26: 1306-1308, 1991
4. Bliss DP, Coffinn CM, Bower RJ et al: Mesenteric cysts in children, Surgery 115: 571-577, 1994
5. Porras-Ramirez G, Hernandez-Herrera MH: Hemorrhage into mesenteric cyst following trauma as a cause of adute abdomen, J Pediatr Surg 26: 847-848, 1991
6. Kenney B, Smith B, Bensoussan AL: Laparascopic excision of a cystic lymphangioma. J Laparoendosc Surg 6, Suppl 1: S99-101, 1996
7. Vu JH, Thomas EL, Spencer DD: Laparascopic management of mesenteric cyst. Am Surg 65: 264-265, 1999