Bei Darmduplikaturen handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung des Gastrointestinaltraktes. Sie kommen in cystischer oder tubulärer Form vor, liegen immer auf der mesenterialen Seite und haben eine gemeinsame Gefässversorgung mit dem anliegenden Darmabschnitt. Am häufigsten sind cystische Duplikaturen und zwar im unteren Dünndarmbereich. Sie können aber im gesamten Darmtrakt vorkommen. Im Gegensatz zu den cystischen Duplikaturen haben die tubulären meistens eine Kommunikation mit dem Darmlumen und zwar im proximalen Bereich. Duplikaturen werden in der Regel solitär und nur ganz selten multipel beobachtet. Die Muskulatur geht ohne Grenzen in diejenige des benachbarten Darmabschnittes über. Die Mucosa kann in ihrem Aufbau mit derjenigen des anliegenden Darmes identisch sein, es können aber auch die verschiedensten Schleimhautarten entfernterer Darmanteile gefunden werden. Der Inhalt der Cyste wechselt je nach Art der Mucosaauskleidung. Salzsäure produzierende Magenmucosa kann zu peptischen Ulzerationen und Perforationen (analog wie bei einem Meckel'schen Divertikel) führen. Duplikaturen des Colons und des Rectums gehen oft mit Doppelungen des Genitale und der Blase einher. In einem hohen Prozentsatz finden sich auch zusätzliche Wirbelfehlbildungen (split notochord syndrome). Kleinere Cysten können können - wie im vorliegenden Fall - gelegentlich Ausgangspunkt für eine Invagination sein. Chronische oder rezidivierende gastrointestinale Blutungen kommen bei Darmduplikaturen, die Magenschleimhaut enthalten und mit dem Darmlumen in Verbindung stehen, vor. Bei Duplikaturen im Bereich des Duodenums kann sich ein Verschlussikterus oder eine akute Pankreatitis entwickeln. Bei cystischen Duplikaturen und kürzeren tubulären Formen wird in der Regel die Duplikatur unter gleichzeitiger Entfernung der benachbarten Darmpartie reseziert und eine End-zu-End-Anastomose vorgenommen. Bei langstreckigen tubulären Duplikaturen muss man sich auf eine Schleimhautexision evtl. in mehreren Etappen beschränken oder kann evtl. eine Fenestrierung in das Darmlumen am caudalen Ende der Duplikatur vornehmen. Ebenfalls bei Duplikaturen des Duodenums ist zur Schonung der Gallenwege und des Pancreas eine Fenestrierung angezeigt. Bei Duplikaturen des Magen ist eine Teilresektion und Mucosektomie unter Schonung der Gefässversorgung die Therapie der Wahl.