Fall der Woche 2/01

Diagnose:

Traumatisches Asphyxiesyndrom (Perthes-Syndrom)

Fortbildung:

Traumatisches Asphyxiesyndrom (Perthes-Syndrom)
 

Zu einer Compressio thoracis kommt es durch eine breitflächige, stumpfe Gewalteinwirkung am Thorax, wie z.B. überrollt werden oder bei Einklemmungen. Ein Antizipieren des Unfalles führt beim Patienten zu einem Verschluss der Glottis, Verspannung der thorakoabdominalen Muskulatur und einer tiefen Inspiration. Durch die akute Kompression des Brustkorbes mit Erhöhung des intrathorakalen Druckes wird das Blut aus der oberen Hohlvene in die klappenlosen Venen von Kopf und Hals gepresst. Durch Zerreissungen der Kapillargefässe in der Peripherie kommt es zu petechialen Blutungen. Die klinischen Symptome sind eine Zyanose im Kopf- und Halsbereich mit typischen subkonjunktivalen Blutungen und petechialen Blutungen in der Haut und Schleimhaut. Selten können auch Blutungen im Glaskörper und in der Retina nachgewiesen werden. Analoge petechiale Blutungen im Bereiche des Gehirns können zu Verwirrtheit oder Krämpfen führen. Eine pulmonale Beeinträchtigung ist durch entsprechende petechiale Blutungen in der Lunge bedingt. Beides beeinflusst den Outcome aber in der Regel nicht. Gelegentlich kommt es auch zu einem Pneumothorax. Zudem können auch assoziierte Herzkontusionen oder Leberverletzungen bestehen. Deshalb sind bei Vorliegen eines traumatischen Asphyxiesyndroms Verletzungen von Herz und Leber immer zu suchen bzw. auszuschliessen. Eine Myocardkontusion liegt vor, wenn der MB-Anteil der CK-Fraktion < 10-20% beträgt. Spezifischer rep. Beweisend ist ein positiver Wert für Troponin. Mögliche Komplikationen sind vorallem Herzrhythmusstörungen. Ganz selten aber kann es zu einem Aneurysma oder gar einer Herzruptur infolge Myocardschädigung kommen. Sofern keine inneren Thoraxverletzungen vorliegen oder Komplikationen von Seiten der Augen oder des Gehirns hinzukommen, ist therapeutisch ausser einer stationären Beobachtung keine spezielle Behandlung erforderlich. Die klinischen Befunde des Perthes-Syndroms verschwinden in der Regel innerhalb von 8-10 Tagen. Das Fehlen von Rippenfrakturen spricht nicht gegen eine stattgefundene Throaxkompression, da der kindliche Rippenthorax sehr elastisch ist, sich sehr stark verformen kann ohne dass es zu Rippenfrakturen kommt. Die kinetische Energie überträgt sich dabei aber auf die Strukturen des Mediastinums.