Eine eitrige Entzündung der Glandula thyreoidea ist selten. Meist
geht einer suppurativen Schilddrüsenentzündung eine Infektion
der Atemwege voraus.
Vorzugsweise betroffen ist der linke Unterlappen. Anaerobe Keime mit
oder ohne aerobe Erreger sind die Hauptursache. Pathophysiologisch kommen
die Keime am ehesten durch ein Relikt des Ductus thyreoglossus oder eine
Sinus piriformis-Fistel in die Schilddrüse, welche ja durch ihre Kapsel
und isolierte anatomische Position sehr gut vor Kontaminationen aus der
Umgebung geschützt ist (was auch die tiefe Infektionsrate nach chirurgischen
Eingriffen an der Drüse erklärt). Die typischen Symptome einer
suppurativen Thyreoiditis sind lokale Schwellung, Induration der Schilddrüse,
Dysphagie sowie limitierter Bewegungsumfang des Kopfes resp. Halses. Oft
fehlen systemische Manifestation. Das Szintigramm kann eine verminderte
Radionuklidanreicherung im entzündeten Schilddrüsenbereich anzeigen.
Die klassische Untersuchung ist allerdings der Ultraschall, der in der
Regel eine komplexe echogene Masse im Sinne eines Abszesses zeigt. Die
Funktionstests der Schilddrüse sind typischerweise normal. Bei Vorliegen
eines Abszesses soll eine Inzision und Drainage vorgenommen und eine antibiotische
Therapie eingeleitet werden. Mögliche Komplikationen sind eine Obstruktion
oder gar Perforation der Trachea, metastatische Infektionen, Sepsis, Mediastinitis
sowie ein Durchbruch des Schilddrüsenabszesses. Nach der Abheilung
soll ein Oesophagogramm durchgeführt werden um eine Sinus pirpiformis-Fistel
nachzuweisen resp. auszuschliessen. Im positiven Fall ist eine solche Fistel
zu sanieren. Eine Hypothyreose nach einer suppurativen Thyreoiditis kommt
praktisch nie vor.