Fall der Woche 2/00

Diagnose:

Suppurative Thyreoiditis

Fortbildung:

Suppurative Thyreoiditis

Eine eitrige Entzündung der Glandula thyreoidea ist selten. Meist geht einer suppurativen Schilddrüsenentzündung eine Infektion der Atemwege voraus.
Vorzugsweise betroffen ist der linke Unterlappen. Anaerobe Keime mit oder ohne aerobe Erreger sind die Hauptursache. Pathophysiologisch kommen die Keime am ehesten durch ein Relikt des Ductus thyreoglossus oder eine Sinus piriformis-Fistel in die Schilddrüse, welche ja durch ihre Kapsel und isolierte anatomische Position sehr gut vor Kontaminationen aus der Umgebung geschützt ist (was auch die tiefe Infektionsrate nach chirurgischen Eingriffen an der Drüse erklärt). Die typischen Symptome einer suppurativen Thyreoiditis sind lokale Schwellung, Induration der Schilddrüse, Dysphagie sowie limitierter Bewegungsumfang des Kopfes resp. Halses. Oft fehlen systemische Manifestation. Das Szintigramm kann eine verminderte Radionuklidanreicherung im entzündeten Schilddrüsenbereich anzeigen. Die klassische Untersuchung ist allerdings der Ultraschall, der in der Regel eine komplexe echogene Masse im Sinne eines Abszesses zeigt. Die Funktionstests der Schilddrüse sind typischerweise normal. Bei Vorliegen eines Abszesses soll eine Inzision und Drainage vorgenommen und eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Mögliche Komplikationen sind eine Obstruktion oder gar Perforation der Trachea, metastatische Infektionen, Sepsis, Mediastinitis sowie ein Durchbruch des Schilddrüsenabszesses. Nach der Abheilung soll ein Oesophagogramm durchgeführt werden um eine Sinus pirpiformis-Fistel nachzuweisen resp. auszuschliessen. Im positiven Fall ist eine solche Fistel zu sanieren. Eine Hypothyreose nach einer suppurativen Thyreoiditis kommt praktisch nie vor.