Bei der Abklärung eines akuten Abdomens genügt im Allgemeinen eine ap-Aufnahme im Liegen, wobei darauf zu achten ist, dass die Zwerchfellkuppen mit den basalen Lungenabschnitten sowie die ganze Symphyse mit abgebildet sind. Beim Knaben können die Gonaden abgedeckt werden, beim Mädchen ist dies nicht möglich. Die ap-Uebersichtsaufnahme erlaubt es, die gesamte Topographie des Abdomens darzustellen. Zudem ist sie in vielen Fällen auch diagnostisch, z.B. ein Fäkolith im rechten Unterbauch bei der akuten Appendizitis. Es gibt Fälle, wo eine Aufnahme in Bauchlage nützlich sein kann, wenn ein Dickdarmileus nicht ausgeschlossen werden kann, resp wenn es unklar ist ob ob die dargestellte Luft sich im Dünndarm oder im Colon befindet. Beim luftgefüllten Colon befindet sich die Hauptmasse der Luft in Rückenlage im Colon transversum. In Bauchlage kommt es zu einer Umverteilung in das retroperitoneal gelegene Colon ascendens und C. descendens sowie in das Rectum. Bleibt die Verlagerung aus, so kann der in der Rückenlage vermutete Ileus bestätigt werden. Bei einem Verdacht auf Ileus kann auch eine Aufnahme in linker Seitenlage im horizontalem Strahlengang angefertigt werden. Dazu muss der Patient vor der Aufnahme 10 Minuten in linker Seitenlage liegen, damit sich die Luft umverteilen kann, bzw. die freie Luft sich zw. Leber und lateraler Bauchwand sammeln kann. Im Falle eines Ileus können Spiegel gesehen werden. (Eine Aufnahme in rechter Seitenlage ist wegen der in der Regel linksseitig gelegenen Magenblase nicht sicher verwertbar.) Cave: beim dehydrierten Kind können die Spiegel jedoch fehlen. Nachstehend einige mögliche Röntgenbefunde bei bestimmten Krankheitsbildern mit unklarem bzw. akutem Abdomen beim Kind:
Appendizitis:
- Ein Fäkolith im rechten Unterbauch ist pathognomonisch.
- Weniger spezifische Befunde sind:
- Im akuten Stadium finden sich Zeichen einer proximalen Dünndarmobstruktion
und Gasarmut distal davon.
- Im späteren Stadium ist ein diffuser Meteorismus möglich.
M. Hirschsprung:
- Beim Neugeborenen finden sich Zeichen der distalen Obstruktion (tiefer
Ileus).
- Beim älteren Kind Befund eines Megacolons mit stark vermehrtem
Stuhlgehalt.
Invagination:
- Kann als Raumforderung imponieren.
- Gelegentlich lässt sich die Spitze des Intussuszeptums im luftgefüllten
Darm nachweisen.
- Im späteren Stadium finden sich die Zeichen einer distalen intestinalen
Obstruktion mit stark geblähten Dünndarmschlingen und ev. proximalem
Colon (im Falle einer colo-colischen Invagination).
- Cave: fehlende Befunde schliessen eine Invagination nicht aus.
Obstipation:
- Vermehrter Stuhlgehalt des Colons ev. assoziiert mit dilatierten Dünndarmschlingen.
Weiterführende Literatur:
G.F. Eich, U.V. Willi: Akutes Abdomen beim Kind; aus Aktes Abdomen von Gabriel P. Krestin; Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York, 1994