Fall der Woche 1/04

Diagnose:

Aplasia cutis congenita

Fortbildung:

Aplasia cutis congenita

Unter Aplasia cutis congenita versteht man das Fehlen einer Portion Haut meist als solitärer Defekt im Bereiche des Scalps, in der Regel lateral der Mittellinie. Die Läsion ist nicht entzündlich und gut demarkiert und kann in der Grösse von 0,5 – 10,0 cm variierend verschiedene Konfigurationen – rund, oval, länglich, sternförmig etc. – zeigen. Defekte, die früh während der Gestation entstehen, heilen vor der Geburt bereits wieder ab und können sich als atrophe, membranöse oder pergamenent-ähnliche Narbe mit assoziierter Alopezie zeigen. Weniger alte Läsionen äussern sich als Ulcerationen. Die Defekte können nur die Epidermis und obere Schicht der Dermis umfassen. In etwa 30% aller Fälle bezieht der Defekt auch das Periost und die Schädelkalotte mit ein und reicht bis auf die Dura. Die Aplasia cutis congenita ist in den meisten Fällen ein benigner, isolierter Defekt, kann aber auch mit anderen Anomalien oder Malformationssyndromen (Adams Oliver-Syndrom, Johanson-Blizzard-Syndrom, Goltz-Syndrom, Bart-Syndrom etc.) assoziiert sein. Etwa ein Viertel aller Fälle sind familiär und zeigen in ca. 70% eine autosomal dominante Vererbung.
Die grösste Gefahr in bezug auf Komplikationen ist das Auftreten einer Infektion und bei tiefen Defekten eine lebensgefährliche Blutung aus einer Laceration des Sinus sagittalis, weshalb die Formation eines Eschars über dem Sinus unbedingt verhindert werden sollte.
Es gibt bislang keine Theorie, welche die verschiedenen Formen der Aplasia cutis congenita genügend gut erklären könnte. Bei isolierten Formen ist die Prognose günstig.

Therapie:
Kleinere Defekte heilen spontan, hinterlassen aber eine haarlose Narbe. Kleinere Kalottendefekte verschliessen sich ebenfalls spontan innerhalb des ersten Lebensjahres. Initial ist eine einfache Wundbehandlung angezeigt, um eine Superinfektion und die Bildung eines Eschars zu verhindern. Erfahrungsgemäss eignet sich das feuchte Wundkonzept ideal. Antibiotika sind in der Regel nicht notwendig. Bei grösseren Defekten sind zu einem späteren Zeitpunkt eine Excision und Primärverschluss allenfalls nach Implantation von Gewebeexpandern oder Rotationslappen notwendig. Läsionen am Torso oder an den Extremitäten heilen meist mit atrophen Narben, die später einer Narbenkorrektur zugeführt werden können.

Referenzen:
Casanova D. et al.: Aplasia cutis congenita. Report on 5 family cases involving the scalp. Eur J Pediatr Surg 11:280-284, 2001
Abbott R. et al.: Aplasia cutis congenita of the scalp: Issues in its management. Pediatr Neurosurg 17:182-184, 1991