Fall der Woche 1/02

Diagnose:

Posttraumatische leptomeningeale Cyste ("wachsende Fraktur")

Fortbildung:

Die posttraumatische leptomeningeale Cyste gehört neben der Encephalocele und der porencephalen Cyste zu den radiologischen Veränderungen einer sog. "wachsenden Fraktur". Eine "wachsende Fraktur" ist eine Spätkomplikation nach einer Schädelkalottenfraktur im Kleinkindesalter. Das "Wachstum" der Fraktur findet nach einer Fraktur im konkaven Teil der Kalotte und einem Riss der Dura mater über einen Zeitraum von Monaten bis mehreren Jahren statt. Nicht selten wird die "wachsende Fraktur" erst im Adoleszentenalter entdeckt.
Intradiploische leptomeningeale Cysten müssen von intradiploischen Arachnoidalcysten unterschieden werden. Letztere sind angeboren.
Die Therapie besteht in operativem Verschluss der Dura sowie des Kalottendefektes.

Intraoperatives Bild (Galea und Tabula externa eröffnet)

Literatur:

Lenthallo R and Penney C, Growing skull fracutre extending posteriorly to the superior sagittal sinus with intradiploic extension, Br J Radiol 72: 714-716, 1999
Ziyal IM, Aydin Y, Turkmen CS et al, the natural history of late diagnosed or untreated growing skull fractures: report on two cases, Acta Neurochir 140: 651-654, 1998
Lunardi P, Missori P, Artico M et al, Posttraumatic intradiploic lepromeningeal cyst in an adult: case report, Surg Neurol 35: 475-477,  1991


Siehe auch "Quiz" - Potpourri" Frage 24: Wie lautet die Differentialdiagnose der nichtmalignen Knochentumoren der Schädelkalotte?