Das Entstehen von Adhäsionen nach Eingriffen im Abdomen ist ein bisher
wenig bearbeitetes Problem. Die Beschreibung der Befunde bei Revisionen wird
oft sehr individuell gestaltet. Eine echte Vergleichbarkeit und entsprechende
Auswertung erhobener Daten ist daher nicht gegeben.
Mit einem neuen Modell der Klassifizierung von Adhäsionen versuchen wir,
unterschiedliche klinische und topografische Parametern objektiv beschreibbar
zu machen. Im Rahmen einer prospektiven Studie werden mittels dieser Klassifikation
sowohl die Beschreibung der Adhäsionen, die Adhäsiolyse, als auch
Verfahren der Adhäsionsprophylaxe evaluiert. Bisher konnten 54 Patienten
erfasst und beurteilt werden.
Die neue Klassifikation von Adhäsionen erfasst klinische Angaben des Patienten, topografische Parameter und beschreibt die intraoperativen intraabdominalen Befunde sowohl der Adhäsionen wie auch des Darmes (Tab. 1). Jedem Parameter wird ein entsprechendes Kürzel zugeordnet. Die Zusammenstellung dieser Kurzbeschreibungen als entsprechende Buchstabenfolge ergibt die Systematik und damit die individuelle Charakterisierung der Adhäsionen (Tab. 2). An einigen Beispielen werden die Prinzipien der Klassifikation verdeutlicht (Abb. 1a, 1b, 2a, 2b).
Das operative Vorgehen führen wir nach einem weitgehend einheitlichen
Konzept durch. Bei klarer Operationsindikation beginnen wir die abdominale Revision
laparoskopisch. Am Nabel erfolgt der Einsatz des ersten Trokars unter Sicht
über eine Minilaparotomie (Abb. 3). Dies ermöglicht
die Inspektion der Bauchhöhle und eröffnet gleichzeitig die Option
einer orientierenden Revision von Befunden durch den 3,5mm Arbeitskanal. Weitere
Arbeitstrokare können abhängig von der jeweiligen Situation platziert
werden.
Damit werden laparoskopisch nur wenig intraabdominale Zugänge benötigt,
um eine schonende Präparation durchzuführen. Die Adhäsiolyse
erfolgt mittels Elektrozision oder Ultrazision (Abb. 4).
Der gesamte abdominale Situs muss in die Revision einbezogen werden. In primär
akuten Situationen, Unklarheiten oder bei unübersichtlichem Situs konvertieren
wir zur Laparotomie.
Neben der schonenden Revision des gesamten Darmes führen wir zusätzlich
eine Spülung der freien Bauchhöhle mit physiologischer Kochsalzlösung
durch. Gewebsdetritus und Blutbestandteile werden entfernt. Überflüssige
Manipulationen am Darm mit Bauchtüchern werden vermieden.
Bei ausgedehnten Adhäsionen oder bereits erfolgten Voroperationen mit Adhäsiolyse
applizieren wir ein barrierebildendes Hydrokolloid (Polyäthylenglycol).
Das Gel wird sowohl laparoskopisch, als auch bei einer Laparotomie auf die Wundflächen
von Darm und Bauchhöhle gesprüht (Abb. 5).
Die Oberfläche des Darmes und die Wundflächen erhalten einen gleitfähigen
Überzug (Abb. 6a,6b).
Zur Anwendung ist das Hydrokolloid mit Methylenblau gefärbt. In einer Ampulle
zu 10ml sind 1,7mg Methylenblau enthalten. Das entspricht einer Dosis von 0,58mg
bei einem Körpergewicht von 3Kg. Diese Menge liegt bei nur 1/3 der empfohlenen
Dosierung für Neugeborene. Damit bestehen hinsichtlich der Anwendung keine
Altersbegrenzungen. Das Gel resorbiert sich restlos innerhalb von 7 Tagen. Des
weiteren werden die Kinder postoperativ früh mobilisiert.Resultate
Die von uns erarbeitete Studie zur Adhäsiolysekonzeption umfasst einen
Zeitraum von 1,5 Jahren vom 01.01.2002 bis zum 30.06.2003 und beinhaltet 54
Patienten. Die Mehrzahl der Patienten sind Kinder nach Appendektomie nämlich
28 (51,8%), die in 20 Fällen 1x und in 8 Fällen 2x revidiert werden
mussten. Chronische Bauchschmerzattacken bildeten 15 mal (27,7%) die Operationsindikation
(Abb. 7a).
Strangförmige Adhäsionen waren in der Mehrzahl der Fälle nur
1x vorhanden. Flächige Adhäsionen fanden sich in der Mehrzahl ebenfalls
nur 1x, waren aber zu einem Drittel auch mehrfach vertreten. Kombinationen von
Strängen und flächigen Adhäsionen konnten wir bisher nicht beobachten
(Abb. 7b).
Unter dem Gesichtspunkt der Adhäsionsprophylaxe wurden zwei Gruppen unterschieden.
Die erste Gruppe umfasst 44 Patienten ohne Adhäsionsprophylaxe. Von diesen
Patienten wurde bei 25 Patienten keine Revision vorgenommen. 12 Patienten mussten
1x und 7 Patienten 2x operativ revidiert werden. Die zweite Gruppe beinhaltet
10 Patienten mit Adhäsionsprophylaxe, von diesen Patienten erfolgte in
nur einem Falle eine Revision (Abb. 7c).
Adhäsionen nach intraabdominalen Eingriffen belasten die Ergebnisse der
Primäroperationen und können zu einem eigenständigen Krankheitsbild
mit entsprechend problematischem Verlauf führen [1,2, 6]. Die Unterschiede
ihrer Entstehung durch differierende Operationsverfahren (Laparotomie versus
Laparoskopie) sind bekannt, aber für das Kindesalter noch nicht statistisch
herausgearbeitet [5,7]. Für die Einschätzung der Effektivität
einer Adhäsionsprophylaxe gleich welcher Art, gelten ähnliche Aussagen
[8,9].
Klassifizierungen von intra- und postoperativen Befunden sind nur vereinzelt
vorgenommen worden [10,11]. Diese haben sich aber bisher nicht durchgesetzt,
oder zu multizentrischen Studien nutzen lassen.
Die Wertigkeit der Klassifikation und der Systematik liegt in einer objektiven
Beschreibung der Befunde. Sie erlaubt eine gute Orientierung über die Patientensituation.
Sie ermöglicht eine schnelle Gruppierung und Auswertung der Befunde, einschließlich
einer retrospektiven Analyse der Parametergruppen. Damit werden multizentrisch
vergleichbare Datenanalysen möglich, mit höheren Fallzahlen und besseren
Statistiken, sowie die Erarbeitung und Validierung von Behandlungskonzepten.
Im Rahmen unserer Untersuchungen ist festzustellen, dass die neu erarbeitete
Klassifikation geeignet ist, die klinische Situation des Patienten zu beschreiben
und einzuschätzen. Voroperationen werden berücksichtigt und können
in die Studie einbezogen werden. Erneute operationspflichtige Verwachsungen
im Vgl. zur Voroperation erlauben Aussagen zur Entstehung der Adhäsionen.
Ebenso lassen sich Rückschlüsse auf das Adhäsionsrisiko von Primäroperationen
ziehen. Maßnahmen zur Prophylaxe können erneute Verwachsungen mit
Reeingriffen verhindern [3,4].
Aufgrund der noch zu geringen Fallzahlen sind relevante statistische Angaben
nicht möglich, so dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Damit werden
sich Fragestellungen zu Häufigkeit und Ursachen von Adhäsionen, sowie
der Effektivität von Adhäsiolysen und Verfahren zur Adhäsionsprophylaxe
statistisch sichern lassen.Schlussfolgerungen
Operationspflichtige intraabdominale Adhäsionen sind mit der erarbeiteten
neuen Klassifikation klinikunabhängig vergleichbar geworden. Die Erstellung
der Klassifikation ist unabhängig vom jeweiligen Untersucher. Bei einer
erneuten Revision ist eine Verlaufsbeurteilung von Folgen der Voroperation möglich.
Durch eine Erfassung der Ergebnisse in klinikübergreifenden Studien können
größere Patientenzahlen analysiert werden. Verschiedene Behandlungskonzepte
zur Adhäsiolyse lassen sich vergleichend gegenüberstellen. Im Rahmen
unserer Konzeption können Therapieempfehlungen erarbeitet und Standards
zur Behandlung von Adhäsionen entwickelt werden. Weiterhin können
spezielle Verfahren zur Adhäsionsprophylaxe beurteilt werden. In Auswertung
unserer Ergebnisse muss darüber nachgedacht werden, ob nicht bereits bei
der Primäroperation (z.B. der Appendektomie) eine effektive Adhäsionsprophylaxe
vorgenommen werden sollte.
Wir erwarten von dieser Studie, dass sich mit dem neu erarbeiteten Gesamtbehandlungskonzept
deutlich weniger Adhäsionen entwickeln und sich postoperative Komplikationen
vermindern. Multizentrische Analysen werden der nächste Schritt zu weiterführenden
neuen Untersuchungen sein.
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2. Freys S.M., K.H.Fuchs, J.Heimbucher, A.Thiede: Laparoscopic adhesiolysis.
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4. Jung D., V.Mendel, H.Heymann: Therapeutische Möglichkeiten bei Verwachsungsbeschwerden.
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5. Jorgensen J.O., N.J.Lalak, D.R.Hunt: Is Laparoscopy associated wiht a lower
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8. Treutner K.-H., P.Bertram, S.Löser, G.Winkeltau, V.Schumpelick: Prophylaxe
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10. Troidl W., W.Spangenberger, A.Dietrich, E.Neugebauer: Laparoskopische Cholecystektomie
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11. Willital G.H., R.R.Lehmann: Bridenileus Adhäsionsprophylaxe.
In: Willital G.H., R.R.Lehmann (Hrsg.): Chirurgie im Kindesalter. S. 310-318,
1.Aufl., (2000)
Autor :
Ulf Bühligen
Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Oststrasse 21 - 25
D- 04317 Leipzig
Tel.: 49 341 / 9726715
Fax: 49 341 / 9726709
e-mail: ulf.buehligen@medizin.uni-leipzig.de
Intradiaphragmaler Lungensequester - Fallbericht
P. Sacher
Chirurgische Klinik, Universitäts-Kinderspital Zürich Schweiz
Einleitung
Die Differentialdiagnose einer gut abgrenzbaren echogenen Masse in der suprarenalen Region in der pränatalen Ultraschall-Untersuchung umfasst das Neuroblastom und den extralobären infradiaphragmalen Lungensequester. Wegen des ungenügenden Auflösungsvermögens kann diese Unterscheidung pränatal nicht mit Sicherheit gemacht werden. Erst die postnatale Abklärung mittels MRI anhand der Gefässsituation sowie Laboruntersuchungen mit Vanillinmandelsäurebestimmung im Urin erlauben die Diagnosestellung und stellen die Grundlage für das therapeutische Procedere dar.
Fallbericht
Anlässlich einer Ultraschalluntersuchung in der 28. SSW wurde bei dem Patienten eine linksseitige infradiaphragmale solide Raumforderung festgestellt und der Verdacht auf ein Neuroblastom geäussert. Postnatal zeigten die Thoraxröntgenbilder (Abb. 1 + 2) eine links basal gelegene Verschattung, die als intrathorakaler Lungensequester interpretiert wurde. Im MRI zeigte sich eine arterielle Versorgung aus der Aorta (Abb 3 + 4), sodass die Diagnose eines extralobären Lungensequesters gestellt wurde. Die Bestimmung der Katecholaminmetaboliten im Urin ergab normale Werte. Radiologische Kontrollen zeigten keine Änderung der Befunde. Bei der Thorakotomie im Alter von einem Jahr zeigte sich, dass der Lungensequester unter einer deutlich verdickten Pleura des linken Zwerchfells lag (Abb 5 und 6). Der zwischen der Pleura parietalis und der Zwerchfellmuskulatur gelegene Sequester war durch mehrere kleine systemische Arterien vaskularisiert und konnte problemlos in toto entfernt werden. Der postoperative Verlauf war völlig problemlos. Die Thoraxröntgenkontrollen zeigen eine regelrechtes linkes Zwerchfell.
Diskussion
Lungensequester werden unter den sogenannten bronchopulmonalen Foregut-Malformationen klassifiziert und in intra- sowie extralobäre Sequester eingeteilt. Infradiaphragmale Lungensequester machen knapp 10% der extralobären Sequester aus [1]. Die Differentialdiagnose einer pränatal festgestellten infradiaphragmal gelegenen echogenen Masse umfasst maligne Tumoren, in erster Linie das Neuroblastom, aber auch andere Sarkome, eine Nebennierenblutung, Teratome, Duplikaturen des Gastrointestinaltraktes sowie den extralobären infradiaphragmalen Lungensequester [2]. Die arterielle Gefässversorgung der extralobären Sequester erfolgt über zahlreiche kleine Arterien, die direkt aus der Aorta oder ihren grossen Aesten entspringt. Das Auflösungsvermögen des Ultraschalls erlaubt die pränatale Darstellung dieser aberranten Gefässe nicht, sodass die Differentialdiagnose pränatal nicht mit Sicherheit gemacht werden kann. Die pränatale Verdachtsdiagnose lautete bei unserem Fall auf ein Neuroblaastom. Die postnatale Abklärung eines Kindes mit pränatal festgestellter Masse in der suprarenalen Region sollte neben einem Thoraxröntgenbild ap und seitlich auch eine MRI-Untersuchung umfassen, welche die genaue Lokalisation, die Densität des Tumors sowie die aberrierende Gefässituation exakt darzustellen vermag. Erst die postnatale Abklärung mittels MRI anhand der Gefässituation sowie Laboruntersuchungen (u.a. Vanillinmandelsäurenbestimmung im Urin) erlauben die Diagnose und stellen die Grundlage für das therapeutische Prozedere dar. Die Lage der infradiaphragmalen Sequester wird in den meisten Arbeiten nicht präzise beschrieben. Häufig wird lediglich die benachbarte Lage zum Zwerchfellschenkel erwähnt. Gross et al. [2] beschreiben einen Fall, bei dem der Sequester durch die Zwerchfellmuskulatur in den Thorax reichte. Beim beschriebenen Fall lag der Sequester zwischen einer schwartig verdickten Pleura und der Zwerchfellmuskulatur. In Zusammenhang mit infradiaphragmalem Lungensequester werden verschiedene assoziierte Fehlbildungen publiziert, nämlich cystisch-adenomatoide Malformation [3], Magenduplikatur [4] sowie Fisteln zum Gastrointestinaltrakt [5]. Die gemeinsame Embryogenese des Gastrointestinaltraktes sowie des Lungenparenchyms mit dem komplexen Prozess der embryonalen Einfaltung in der vierten Gestationswoche erklärt diese Zusammenhänge [4]. Die Häufigkeit dieser Begleitfehlbildungen beträgt 15-40%, wobei die congenitale Zwerchfellhernie am häufigsten ist [6]. Beim vorgestellen Fall handelt es sich um eine isolierte Fehlbildung. Die Excision des Sequesters ist notwendig zur Sicherung der Diagnose, aber auch wegen den möglicherweise kombinierten Fehlbildungen, die ihrerseits, wie z.B. die cystisch-adenomatoide Malformation, für Malignome prädisponieren [7], und weil eine Kommunikation mit dem Gastrointestinaltrakt (am häufigsten Oesophagus oder Magen) präoperativ nicht sicher auszuschliessen ist.
Literatur
1. Savic, B., et al., Lung sequestration: report of seven cases and review of 540 published cases. Thorax, 1979. 34: p. 96-101.
2. Gross, E., et al., Infradiaphragmatic extralobar pulmonary sequestration masquerading as an intra-abdominal, suprarenal mass. Pediatr. Surg. Int., 1997. 12: p. 529-531.
3. Huang, C.C., et al., Infradiaphragmatic pulmonary sequestration combined with cystic adenomatoid malformation: unusual postnatal tomographic features. Abdom Imaging, 2004. 18.
4. Saggese, A., et al., Intra-Abdominal Extra-Lobar Pulmonary Sequestration Communicating with Gastric Duplicatoion - A case Report. Eur. J. Pediatr. Surg., 2002. 12: p. 426-428.
5. Carrasco, R., et al., Extralobar infradiaphragmatic pulmonary sequestration with a digestive communication. J. Thorac. Cardiovasc. Surg., 2002. 123: p. 188-189.
6. Carter, R., Pulmonary sequestration (collective review). Ann. Thorac. Surg., 1969. 7: p. 68-88.
7. Ueda, K., et al., Rhabdomyosarcoma of lung arising in congenital cystic adenomatoid malformation. Cnacer, 1977. 40: p. 383-388.