| Leichtes Schädelhirntrauma - Ueberwachung, Schädelröntgenbilder oder CT ? |
| Intrakranielle Läsionen, vor allem epidurale, subdurale und subarachnoidale
Blutungen wie auch Kontusionsherde oder diffuse Hirnschwellungen sind Komplikationen
nach einem Schädelhirntrauma. In der Regel treten sie früh auf.
Diese Komplikationen treten im Zusammenhang mit einer Schädelfraktur
gehäuft auf, kommen aber auch isoliert vor, d.h. ohne Fraktur der Schädelkalotte.
Grössere Studien zeigen, dass die Sensitivität von Schädelröntgenaufnahmen
für intrakranielle Läsionen, insbesondere bei Kleinkindern, sehr
tief sind (ca. 25%). Die meisten Kinder mit Schädelfrakturen haben
keine intrakranielle Läsion und umgekehrt kann eine intrakranielle
Blutung vorliegen, auch wenn die Schädelröntgenbilder unauffällig
sind, d.h. keine Fraktur zeigen. In den ersten beiden Lebensjahren verlaufen
intrakranielle Blutungen oft symptomlos. Dies bedeutet, dass in vielen Fällen
weder die Klinik noch Schädelröntgenaufnahmen indikativ für
eine intrakranielle Verletzung sind. Neuere Arbeiten belegen, dass die Schädelröntgenbilder
in der initialen Evaluation von leichten Schädelhirntraumata (Contusio
capitis und Commotio cerebri) nicht hilfreich sind [1,3]. Etwas differenzierter
haben Greenes und Schutzman [2] die Frage, ob Schädelröntgenbilder
im Zusammenhang mit einem leichten Schädelhirntrauma notwendig sind
oder nicht, beantwortet. Ihre Studie mit 608 Patienten hat gezeigt, dass
nur 5% aller Patienten eine intrakranielle Läsion aufwiesen und bei
14 dieser 30 Kinder mit einer intrakraniellen Läsion keinerlei klinische
Symptome oder Befunde wie Bewusstseinsstörung, Lethargie, Unruhe, Erbrechen,
neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, oder vorgewölbte Fontanelle
vorlagen, die auf eine intrakranielle Verletzung hingewiesen hätten.
Hingegen zeigten 13 der 14 asymptomatischen Patienten ein signifikantes Galeahämatom.
Die Autoren definieren aus ihren Befunden eine Gruppe von Kindern bis zum
Alter von 2 Jahren, bei denen sowohl auf Schädelröntgenaufnahmen
wie CT verzichtet werden kann, nämlich wenn sie älter als 3 Monate
und asymptomatisch sind und kein Galeahämatom aufweisen. Indikationen für Schädelröntgenaufnahmen sind sind nach Greenes und Schutzman [2]:
Indikationen für eine CT-Untersuchung nach nach einem leichten
Schädelhinrtrauma
Die Prävalenz für intrakranielle Läsionen beträgt
bei Kindern nach einem leichten Schädelhirntrauma, die entweder einen
kurzzeitigen Bewusstseinsverlust, Erbrechen oder einen Krampfanfall gezeigt
haben, ca. 2-5%. Kinder, die nach einem leichten Schädelhirntrauma neurologisch
unauffällig sind, haben ein sehr tiefes Risiko für eine nachfolgende
Verschlechterung des klinischen Zustandes. Neurologisch unauffällige
Patienten mit einem normalen CT haben ein extrem tiefes Risiko für nachfolgende
Komplikationen. Referenzen: |
| Kommentare: J. Leonhardt, J. Kotlarski, Hildesheim: Hiermit möchten wir uns einige Anmerkungen zu oben stehenden Aritkel über das leichte Schädelhirntraumas im Kindesalter erlauben und das praktische Vorgehen unserer Klinik vorstellen. Auch bei uns wird auf eine primäre Röntgenaufnahme verzichtet, wenn die Patienten jung sind, keine gravierenden Verletzungszeichen wie große Hämatome, Blutungen aus Ohren, Nase oder Mundhöhle aufweisen sowie neurologisch unauffällig sind. Vielmehr wird stets bei jedem Kind mit noch offener Fontanelle eine Schädelsonographie durchgeführt, um intracranielle Verletzungen nachzuweisen (Lit.). Auch bei älteren Kindern wird USG angestzt, um im Bereich des Hämatoms sonographisch eine Fraktur sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen. Der intracraniellen Sonographie sind bekannterweise diagnostische Grenzen gesetzt, v. a. sind die frontalen Bereiche mit dem Sektor-Schallkopf nicht sicher zu beurteilen (Lit.). Liegt ein SHT I° vor, wird nach 2 Tagen ein EEG angefertigt, das bei Auffälligkeiten im Intervall kontrolliert wird. CCT Aufnahmen werden in unserer Klinik zurückhaltend und nach strengen Kriterien durchgeführt: u. a. bei Verschlechterung der Zustandes eines primär unauffälligen Patienten ist das CCT das diagnostische Mittel der Wahll (Lit.). Das Alter des Kindes (wie z. B. angeführt 3 Monate), sowie der Unfallmechanismus spielen nicht die entscheidende Rolle. Andererseits sind wir großzügiger bei der CCT-Indikationsstellung bei einem Kind mit Polytrauma. Ein getrenntes Kapitel stellen die Gesichtsknochen- und Orbitaverletzungen dar, hierbei ist die CCT-Untersucung unabdingbar. MRT-Untersuchungen haben ihren Stellenwert in der Verlaufskontrolle erst nach einigen Monaten nach dem Trauma, um Restschäden nach intracerebraler Läsion bewerten zu können. J. Leonhardt, J. Kotlarski St. Bernwardkrankenhaus Kinderchirurgische Abteilung J. Leonhardt Treibestr. 9 31134 Hildesheim Deutschland E-mail: Johannes.Leonhardt@t-online.de Zur radiologischen Diagnostik sei angemerkt: |
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