| Intrauterine Hodentorsion - was ist zu tun? |
| Eine intrauterine Hodentorsion äussert sich postnatal mit einer
geröteten oder gelegentlich gelblichen, harten Masse im Skrotum eines
neugeborenen Knaben. Dabei handelt es sich meist um eine einige Zeit vor
Geburt stattgehabte Torsion, die für die etwa 10 % sogenannter ³Hodenagenesienã
bei Knaben verantwortlich ist.
Nach der klinischen Diagnose stellt sich die Frage, was ist zu tun, resp. ist überhaupt etwas zu tun? Kann der Hoden gerettet werden? Muss zum Schutz des kontralateralen Hodens eine Orchidopexie vorgenommen werden? Gibt es einen negativen Effekt auf den kontralateralen Hoden, wegen Spermaantikörper? Handelt es sich um einen Hodentumor, der eine Excision verlangt? Mit anderen Worten, braucht das Kind notfallmässig eine Operation oder nicht? Die intrauterine Hodentorsion ist unabhängig von Geburtsgewicht, perinatalem Trauma, Art der Entbindung oder Frühgeburtlichkeit (1). In der Literatur sind nur vereinzelte Fälle von asynchroner neonataler Hodentorsion beschrieben. Da die epifasciale Schicht, welche die supravaginale resp. extravaginale Hodentorsion ermöglicht, relativ früh in der postpartalen Phase obliteriert, ist das Risiko für eine Torsion des kontralateralen Testis sehr klein. Die Eltern sollen darüber informiert werden, dass ein theoretisches Risiko für eine Torsion des kontralateralen Hodens innerhalb der ersten etwa 30 Tage besteht,und sie sollen in dieser Zeit bei jedem Windelwechsel den kontralateralen Hoden kontrollieren. Falls eine Veränderung in der Konsistenz oder eine Schwellung festgestellt wird, sollen sie unverzüglich das Spital aufsuchen. Das minimale Risiko rechtfertigt eine Narkose und Intervention im Neugeborenenalter nicht. Es gibt Evidenz, dass postpubertal ein nekrotischer Hoden, welcher in situ belassen wird, Spermaantikörper produziert, welche den kontralateralen gesunden Hoden ungünstig beeinflussen können. Es gibt jedoch weder klinisch noch experimentell Hinweise, dass dies auch bei präpubertären Testes der Fall ist. Somit gibt es auch von dieser Seite her keinen Grund, den nekrotischen Hoden bei Status nach intrauteriner Hodentorsion zu entfernen, selbst wenn die Blut-Testis-Barriere durchbrochen würde. Neonatale Hodentumoren im Sinne eines Yolk Sac Carcinoms sind bislang nicht beschrieben worden, können aber theoretisch vorkommen. Die alpha-Fetoprotein Werte sind bei allen Neugeborenen erhöht, sodass eine Bestimmung dieses Tumormarkers in der Differentialdiagnose nicht weiter hilft. Aufgrund der Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei einer skrotalen harten Masse eines Neugeborenen um einen Status nach intrauteriner Hodentorsion Deshalb ist die alleinige Nachkontrolle vorerst gerechtfertigt. Falls die Kontrollen nach 3 und 6 Wochen einen Rückgang der Grösse zeigen, ist ein Tumor praktisch ausgeschlossen. Ein nekrotischer Hoden führt meistens im Laufe von ca. 6 Monaten zu einer Atrophie. Da ein Rettungsversuch bei einer intrauterinen Hodentorsion praktisch immer zu spät kommt und nach kurzer Zeit das Risiko für eine Torsion des kontralateralen Hodens nicht mehr gegeben ist und auch eine Spermaantikörperproduktion durch einen nekrotischen präpubertären Hoden wahrscheinlich nicht stattfindet, gibt es keine Gründe, eine Hodenrevision mit dem Risiko der Anästhesie beim Neugeborenen einzugehen (2). Referenzen:
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