| Femurschaftfrakturen |
| Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Femurschaftfrakturen
bis zum Alter von 3-4 Jahren vorzugsweise mit einer Heftpflasterextension
oder allenfalls einem Beckenbeingips behandelt werden und bei Patienten
über 12 Jahren entweder mit einem AO-Marknagel oder allenfalls einer
Plattenosteosynthese versorgt werden. Für die Altersklasse von etwa
4-12 Jahren hingegen besteht eine Diskussion, ob primär eine Behandlung
mittels dynamischem Fixateur externe oder der intramedullären dynamischen
Marknagelung bevorzugt werden sollte. In einem Editorial im Journal of
Bone and Joint Surgery (1) spricht Macnicol die Ueberlegungen an, welche
für die Therapie entscheidend sind. Erstens die ãConvenienceä des
Primäreingriffes. Die elterliche Kompetenz in der Betreuung steht
den Vorteilen von Eingriffen, welche eine sehr frühe Entlassung der
Patienten ermöglichen, oft diametral gegenüber. Als zweiter Faktor
werden die Kosten angesprochen. Eine frühe operative Frakturversorgung
scheint die Interessen aller, welche sich um die Behandlung von kindlichen
Femurschaftfrakturen bemühen, zu befriedigen. Schliesslich als drittes
und wesentliches Element müssen potentielle Komplikationen in Betracht
gezogen werden. Nach Von Laer (2) muss die Therapie der Oberschenkelfraktur
im Wachstumsalter zum Ziele haben, ohne geschlossene oder offene Reposition
jenseits des 5. Tages nach Trauma achsengerechte Verhältnisse zu schaffen,
d.h. keine Achsenfehler in der Frontal- und Sagittalebene über 10
Grad, keine Rotationsfehler über 20 Grad und keine Seit-zu-Seit Verschiebung
um mehr als halbe Schaftbreite. Das Ausmass der Stimulationsfolgen der
die Fraktur umgebenden Epiphysenfugen ist abhängig vom Ausmass der
Remodellierung sowie der verspäteten Repositionen und Operationen
jenseits des 5. Tages nach dem Unfall. Im Idealfall sollten also keine
Fehlstellungen den Korrekturkräften des weiteren Wachstums überlassen
werden. Seiner Ansicht nach erfüllt die Behandlung mit dem Fixateur
externe diese Postulate vollständig und am besten. Gegenüber
der intramedullären dynamischen Nagelung hat der Fixateur externe
den Vorteil, dass die Extremität sofort belastbar ist. Für die
Metallentfernung ist keine zweite Narkose notwendig und falls ein Infekt
auftritt, handelt es sich in der Regel lediglich um eine Ostitis. Als Negativpunkte
für die Behandlung mit dem Fixateur externe ist die notwendige Pflege
der Nagelaustrittsstellen zu erwähnen, sowie die vom Patienten selbst
eher negative Akzeptanz und das langfristige kosmetische Problem. Bar-On
et al. (3) haben kürzlich im Journal of Bone and Joint Surgery eine
prospektive Studie vorgestellt, bei der 20 Femurschaftfrakturen bei 19
Kindern im Alter von 5,2 - 13,2 Jahren entweder mittels Fixateur externe
oder der elastisch stabilen Marknagelung behandelt wurden. Ihre Studie
hat gezeigt, dass die Patienten mit dem Fixateur externe eine viel ausgeprägtere
Kallusformation zeigten, hingegen die Zeitdauer bis zur vollen Elastbarkeit,
zum vollständigen Bewegungsumfang und zur Wiederaufnahme der Schule
bei den 19 Patienten mit intramedullärer dynamischen Nagelung kürzer
waren. Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 14 Monaten
zeigten Patienten nach Behandlung mit dem Fixateur externe in 2 Fällen
noch Schmerzen, in 4 Fällen eine Quadricepsatrophie, in 1 Fall eine
Beinlängendifferenz von über 1 cm, 4 x eine Achsenabweichung
von über 5 Grad und einer Einschränkung in der Hüftrotation.
Bei den Patienten, bei denen eine elastisch stabile Marknagelung durchgeführt
worden war, war die Komplikationsrate deutlich niedriger. Ein Patient hatte
noch leichte Schmerzen sowie einer eine Quadricepsatrophie. Beinlängenunterschiede,
Achsenabweichungen oder Bewegungseinschränkungen fanden sich in dieser
Gruppe nicht. Zudem wird erwähnt, dass die Eltern der Patienten, die
eine intramedulläre dynamische Nagelung erhielten, zufriedener waren
und dieselbe Behandlung wieder wünschen würden. Die Vorteile
der intramedualläern Markschienung liegt nach Ansicht der Autoren
bei einer deutlich schnelleren Heilungsrate und Rehabilitation.
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