| Zur Behandlung der Enuresis können zwei Behandlungsformen empfohlen
werden, nämlich einerseits die Weckgeräte und andererseits die
pharmakologische Behandlung mit Desmopressin (Minirin).
Der Weckapparat:
Der Weckapparat funktioniert im Sinne einer Konditionierungstherapie,
die nebst dem Blasentraining zu den Verhaltensmodifikationen gehört.
Der Grundsatz beruht auf dem Gedanken, dass der Patient geweckt wird, sobald
die ersten Urintropfen in die Wäsche gelangen. Er ergreift also das
Problem des Nicht-Erwachens an. Es handelt sich dabei um eine sehr simple
Methode. Das einfachste Modell besteht aus einem Kontaktläppchen,
das im Slip befestigt und einem Alarmkästchen, das auf der Schulter
festgemacht wird. Beide Teile sind durch ein dünnes Kabel verbunden.
Die Voraussetzungen sind eine aktive Teilnahme von Patient, Familie und
Arzt in der Behandlung. Faktoren, welche mit dem Erfolg der Therapie interferieren,
sind 1. Verhaltenssprobleme, 2. schlechte häusliche Verhältnisse
und 3. Kinder, die durch das Bettnässen nicht gestört sind (1).
Faktoren, welche die Therapie negativ beeinflussen sind 1. instabile familiäre
Verhältnisse, 2. familiärer Stress, 3. fehlende Unterstützung
durch die Eltern und 4. Kinder, die mehr als einmal pro Nacht einnässen
(2).
Nachteile der Methode: Es dauert eine gewisse Zeit, bis sich
durch den Trainingseffekt ein Erfolg einstellt. Die Methode verlangt eine
gewisse Anstrengung, nämlich das Aufstehen und Aufsuchen der Toilette
nachts. Bei kleinen Kindern ist es unumgägnlich, dass die Eltern die
schläfrigen Kinder auf die Toilette begleiten. Dies alles ist wahrscheinlich
der Grund, warum Weckgeräte nur in etwa 3 % als Therapie der Enuresis
verwendet werden.
Vorteile: Niedrigste Rezidivirate aller Behandlungsmethoden.
Medikamentöse Therapie mit Desmopressin (Minirin):
Desmopressin behebt den fehlenden nächtlichen Mangel an antidiuretischem
Hormon (ADH). Das Medikament wird in Form eines Nasensprays oder Tabletten
kurz vor dem Schlafengehen angewendet.
Vorteile: In der Regel sofortiges Ansprechen sowie einfache und sichere
Anwendung. Die medikamentöse Therapie ist eine ideale Hilfe, wenn
die Kinder auswärts gehen (Pfadilager, Uebernachten bei Kollegen etc.).
Nachteile der Behandlung: Die Behandlung hat keinen eigentlichen
Lerneffekt und deshalb eine hohe Rezidivrate nach Absetzen des Medikamentes.
Das Medikament hilft so lange wie es eingenommen wird, was meistens eine
Therapiedauer von mehreren Monaten bedeutet. Im günstigen Falle hat
in der Zwischenzeit ein Reifungsprozess stattgefunden, und die Patienten
bleiben nach dem Absetzen des Medikamentes trocken.
Wichtig! Allgemeine Verhaltensmassnahmen
bei Kindern mit Einnässen (Enuresis) |
1. Lassen Sie Ihr Kind am Abend nur so viel trinken, wie es Durst empfindet.
Wasser anstelle von Süssgetränken hilft Durst von Lust zu unterscheiden.
2. Es ist dafür zu sorgen, dass das Kind vor dem Schlafengehen
konsequent nochmals zur Toilette geht.
3. Durch Uebungen dem Patienten die Körperempfindung für
eine volle Blase und Drang zum Wasserlösen bewusster machen, z.B.
indem versucht wird, beim Wasserlösen den Urinstrahl wiederholt zu
unterbrechen.
Referenzen
1. Rappaport L.: Prognostic factors for alarm treatment. Scand J Urol
Nephrol, Suppl 183:55, 1997
2. Develine JB, OâCathain C: Predicting treatment outcome in nocturnal
enuresis.
Arch Dis Childh 65:1158, 1990 |