| Sprunggelenksverletzungen bei Kindern |
| Altermatt S.
(Chirurgische Klinik, Universitätskinderspital Zürich) Swiss Surg 4:70-74, 1998 |
| Der Autor gibt eine ausführliche Uebersicht auf typische Aspekte
und Therapie von Sprunggelenksverletzungen im Kindesalter sowie ein Therapiekonzept
für Bandläsion des Sprunggelenkes. In bezug auf die Traumaanamnese
ist es wichtig, Auskunft darüber zu erhalten, ob der Patient den Fuss
nach dem Unfall noch belasten konnte, oder nicht. Falls die Anamnese Schmerzen
und Gehunfähigkeit ergibt oder bei der Untersuchung Schmerzen und
eine Schwellung der Sprunggelenksregion vorliegen, soll primär eine
Röntgendiagnostik durchgeführt werden (Ottawa Ankle Rules), wobei
zu beachten ist, dass in der ap-Aufnahme beide Malleolen den gleichen Abstand
zur Röntgenplatte haben, d.h. diese Aufnahme in entsprechender Innenrotation
durchgeführt werden muss. Wichtig bei der Beurteilung der Röntgenbilder
ist, ossäre Verletzungen von akzessorischen Knochenkernen und Ossifikationszentren
zu unterscheiden. Falls eine Fraktur vorliegt, muss zwischen Epiphysenfugenlösungen,
Epiphysenfrakturen und Uebergangsfrakturen unterschieden werden. Eine medial
offene Epiphysenfugenlösung, Salter-Harris II, kann oft wegen eines
eingeschlagenen Periostlappens geschlossen nicht befriedigend reponiert
werden. Deshalb muss in diesen Fällen der Periostlappen operativ befreit
werden. In bezug auf einen vorzeitigen Wachstumstillstand besteht ein geringes
Risiko bei den Epiphysiolysen und bei nicht oder nur gering, d.h. weniger
als 2 mm, dislozierten Epiphysenfrakturen vom Typ Salter-Harris III und
IV. Die Uebergangsfrakturen werden in Twoplane fractures, d.h. Frakturen
in der Horizontal- und Sagittalebene sowie Triplane fractures mit einer
zusätzlichen Frakturlinie in der Frontalebene unterteilt. Der epiphysäre
Frakturspalt verläuft bei der Uebergangsfraktur typischerweise von
proximal-lateral nach distal-medial, weil der mediale Abschnitt der Epiphysenfuge
bereits verknöchert ist. Zur genauen Diagnostik ist oft eine Computertomographie
notwendig. Bei einer Frakturdislokation von mehr als 2 mm ist eine Osteosynthese
indiziert. Das Risiko bei den Uebergangsfrakturen ist nicht die Wachstumsstörung,
sondern eine Gelenksinkongruenz.
Die Läsionen des lateralen Bandapparates umfassen ossäre Bandausrisse an der Fibulaspitze oder seltener am Talus sowie die rein ligamentären Rupturen. Bei Kindern unter 10 Jahren liegen in über 80 % der Fälle ossäre Bandausrisse vor. Der Autor legt ein Behandlungskonzept für die Läsion des lateralen Bandapparates vor, welches eine initiale Ruhigstellung des Sprunggelenkes mittels gespaltenem Unterschenkelliegegips für 5-7 Tage vorsieht. Falls weiterhin eine Schwellung oder ein Hämatom distal des Malleolus vorliegt, gilt die Diagnose der Bandläsion als bestätigt, und es wird eine funktionelle Nachbehandlung vorzugsweise mit Soft-Cast für 4-6 Wochen eingeleitet. Die Alternativen wie Künzli-Schuhe, Air-Cast etc., haben den Nachteil, dass die Compliance der Kinder für diese Stützvorrichtungen schlecht ist, und sie diese Behelfe entfernen können. Zudem sind nicht von allen Behelfen Kindergrössen erhältlich. Falls bei der initialen Abklärung ein ossärer Bandausriss nachgewiesen wird, erfolgt die Behandlung konsequent konservativ im Gips über 4 Wochen. |
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