| Plagiocephalus –
Prävention und Therapie Capone A, Boltshauer E Pediatrica 13:24-27, 2002 |
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Die Arbeit befasst sich mit der aktuellen Behandlung
von lagebedingten sekundären Plagiocephali. Diese sind von
primären Plagiocephali bedingt durch eine einseitige Coronar-
oder Lambdanahtsynostose zu unterscheiden. Diese Unterscheidung
ist leicht. Die klinische Beurteilung gelingt am besten mit einem
Blick von kranial her auf den Kopf des Kindes. Beim lagebedingten
Plagiocephalus findet man eine Deformierung in drei Ebenen, nämlich
eine occipitale Abflachung, eine kontralaterale frontale Abflachung
sowie eine Verschiebung der Ohrachse. Im Gegensatz dazu ist bei
einer einseitigen Coronarnahtsynostose das Occiput nicht betroffen
und die Stirnregion bereits bei Geburt ipsilateral abgeflacht.
Bei einem primären Plagiocephalus wegen einseitiger Lambdanahtsynostose
findet sich eine asymmetrische Abflachung des Occiputs, während
der Stirnbereich nicht asymmetrisch ist. Als prädisponierende
Faktoren für sekundäre lagebedingte Plagiocephalie werden
Torticollis mit Rotation des Kopfes, eine asymmetrische längerdauernde
Lagerung (z.B. nach Shuntoperation), eine asymmetrische Motorik
(z.B. bei Plexusparesen oder Hemisyndrom), eine konsequente Rückenlage
(wegen SIDS-Prophylaxe) oder Lageanomalien in-utero aufgeführt.
Bei Vorliegen von prädisponierenden Faktoren geben die Autoren
folgende Gegenmassnahmen an: Prädisponierende Faktoren erkennen,
frühzeitige professionelle Instruktion im Handling und in
der Lagerung, Physiotherapie und „tummy time“ (Bauchlage im Wachzustand).
Je früher eine Beratung stattfinden kann und wenn nötig
eine Therapie eingeleitet wird, desto besser ist der Erfolg auch
bei kürzerer Behandlungszeit. Eine occipitale Asymmetrie verbessert
sich spontan in aller Regel rascher und zufriedenstellender als
die Asymmetrie im Gesichtsbereich oder ist zumindest wegen des
zunehmenden Haarwuchses ästhetisch nicht mehr störend.
Als Behandlungsmöglichkeiten eines sekundären Plagiocephalus
werden Physiotherapie, Helmbehandlung und schliesslich eine Operation
angegeben. In bezug auf die Physiotherapie ist das Erlernen und
Vertiefen des individuell angepassten Handlings und der korrekten
Lagerung zentral. Eine Helmbehandlung ist indiziert bei ausgeprägtem
Plagiocephalus und fehlender Besserung trotz ausgeschöpfter
konservativer Massnahmen. Der Beginn der Behandlung sollte vor dem 6.
Lebensmonat stattfinden, damit die Remodellierung im Rahmen des
Kopfwachstums im 2. Lebenshalbjahr erfolgen kann, weil die Kopfumfangskurve
nach dem 1. Lebensjahr deutlich abflacht. Der Helm sollte während
22 Stunden pro Tag, insbesondere während des Schlafes, getragen
werden, und die Behandlungsdauer beträgt durchschnittlich
2-6 Monate. Eine Operationsindikation sehen die Autoren nur bei
primärem Plagiocephalus, d.h. bei einseitiger Coronar- oder
Lambdanahtsynostose in der zweiten Hälfte des 1. Lebensjahres.
Ein Brachycephalus mit flachem symmetrischem Hinterhaupt wegen
monatedauernder Rückenlage stellt keine Indikation für
eine Helmbehandlung dar. Diesbezüglich ist die wichtigste
Massnahme die antizipierende Vermeidung einer permanenten Rückenlage.
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