Inflammatory Bowel Disease in Children and Adolescents 
Winesett M.
(Dept. of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, All Children's Hospital, St. Petersburg, Florida)
Pediatric Annals 26:227-234, 1997
In diesem Uebersichtsartikel über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wird das aktuelle Wissen über diese Krankheiten zusammengefasst.
Epidemiologisch interessant ist, dass 25% aller neu entdeckten Fälle entzündlicher Darmerkrankungen bei Patienten auftreten, die jünger als 20 Jahre alt sind,.
Die Pathogenese dieser Krankheiten ist nach wie vor nicht klar. Die Suche nach genetischen Markern hat gezeigt, dass eine Assoziation der entzündlichen Darmkrankheiten mit Klasse II Allelen des HLA Komplexes von Chromosom 6 besteht, nämlich der Colitis ulcerosa mit HLA-DR2 und Morbus Crohn mit HLA-DR1, DQ5. Neuste Untersuchungen zeigen aber, dass es wahrscheinlich ist, dass das Immunsystem der Darmmukosa gegenüber normalen intraluminalen Stimuli abnormal reagiert.
Bei den meisten Patienten äussern sich die Krankheiten mit leicht blutiger Diarrhoe und Bauchschmerzen, die häufig schwierig von einer Gastroenteritis zu unterscheiden sind. Bei Patienten mit einem Morbus Crohn mit Befall des Dünndarms äussert sich die Krankheit häufig mit einer Malabsorption, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Wachstumsretardierung, Gewichtsverlust und Anorexie. Auch die Colitis ulcerosa kann sich mit extraintestinalen Symptomen manifestieren, dies ist jedoch bei Morbus Crohn wesentlich häufiger.
Die Diagnose Morbus Crohn resp. Colitis ulcerosa basiert auf klinischer Symptomatik, Laboruntersuchung, endoskopischen Befunden, Histologie, der Mukosa und radiologischen Befunden sowie dem Ausschluss anderer Ursachen. Eine extensive Colonoskopie ist bei Patienten mit schwerer Colitis, wegen dem Risiko einer Perforation oder Blutung, kontraindiziert. Die primäre Rolle der Radiologie ist die Evaluation eines Befalles des Dünndarmes. In der Arbeit ist eine ausführliche Tabelle mit den Differentialdiagnosen einzelner Symptome des Morbus Crohn aufgeführt.
25-35 % aller Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung haben mindestens eine extraintestinale Manifestation. Diese kann vor Beginn der gastrointestinalen Symptome, während der Erkrankung oder sogar nach einer Colektomie wegen Colitis ulcerosa auftreten. Extraintestinale Manifestationen umfassen einerseits Hautmanifestationen, nämlich Erythema nodosum und Pyoderma gangrenosum sowie Gelenksentzündungen. Diese befallen ca. 10% aller Patienten und treten vor allem als Arthritiden der Knie, Sprunggelenke, Hüften, Handgelenke, Ellbogen und Interphalangealgelenke auf. Andererseits können ophthalmologische Manifestationen mit einer breiten Palette mit Episcleritis, Uveitis, Randkeratitis, Conjunctivitis, Scleritis, ein Orbitapseudotumor, Neuritis des Nervus opticus sowie ischämische Neuropathie des Opticus und Vasculitis der Retina vorkommen. Des Weiteren sind zahlreiche Befunde an Leber und Gallenwegen beschrieben worden. Diese umfassen Cholangitiden, chronisch aktive Hepatitis, Zirrhose, Gallengangskarzinome, Amyloidose, Leberabszess und Cholelithiasis. Die primäre sklerosierende Cholangitis ist wahrscheinlich die häufigste hepatobiliäre Komplikation der entzündlichen Darmerkrankungen. Die Cholelithiasis tritt häufig bei Patienten mit einem Morbus Crohn mit Befall des terminalen Ileums auf oder bei Patienten, bei denen eine Resektion des Ileums vorgenommen werden musste. Unter den renalen Komplikationen ist die Nephrolithiasis relativ häufig. Weitere extraintestinale Manifestationen sind Pankreatitis, fibrosierende Alveolitis, die interstitielle Pneumonitis, Perikarditis und periphere Neuropathien.
Aus dem ausführlichen Teil über die Therapie kann hervorgehoben werden, dass Corticosteroide nur zur Induktion einer Remission eingesetzt werden sollen und bei chronischer Anwendung keinerlei Effekt haben. Sulfasalzin ist nur bei Befall des Colons effektiv und Metronidazol hat einen günstigen Einfluss bei akutem Morbus Crohn, speziell bei perianalem Befall.
Da die Colitis ulcerosa auf das Colon beschränkt ist, ist natürlich eine Colektomie kurativ. Es gibt verschiedene anorektale Durchzugsverfahren. Etwa 15% aller Patienten leiden postop. an einer sog. ≥Pouchitis„. Die Indikationen zur Colektomie waren in einer Serie von 100 Kindern eine unbehandelbare Krankheit in 64%, eine therapierefraktäre Wachstumsstörung in 14%, ein toxisches Megacolon in 6%, Hämorrhagie in 4%, eine Perforation in 3% sowie Prophylaxe hinsichtlich maligner Entartung.
Da der Morbus Crohn eine Krankheit ist, die den Patienten lebenslang begleitet, soll immer Risiko und Vorteil einer chirurgischen Intervention sorgfältig abgewogen werden. 50-70% aller Kinder mit einem Morbus Crohn mussten sich innerhalb von 10-15 Jahren nach Diagnosestellung einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Die Indikationen in diesen Fällen sind meist Versagen der medikamentösen Therapie, eine intestinale Obstruktion, gastrointestinale Blutung, Perforation, Fistulierung, Wachstumsverzögerung, ein Karzinom oder eine obstruktive Uropathie.
©kinderchirurgie / pediatric surgery - online